S O L A R M E D I A

  1. Lange erwartet: Klarheit zu Plug-and-Play

    Einstecken und schon fliesst der Strom – So einfach soll eine Plug&Play-Solaranlage installiert werden können. Doch ist das wirklich so simpel? Und welche Bewilligungen sind für solche Anlagen notwendig? Eine behördliche Anleitung.


    Das Bundesamt für Energie (BFE) beantwortet jedes Jahr hunderte von Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern. Auf energeiaplus greifen wir unter dem Stichwort «Liebes BFE…» einige davon auf. Herr D. wollte wissen, welche Bewilligungen nötig sind, um eine Plug&Play-Solaranlage zu installieren und worauf er beim Kauf achten muss.

    Ein zentrales Merkmal einer Plug&Play-Solaranlage ist, dass sie keine aufwändige Installation benötigt. Das Einrichten ist so simpel, dass man die Montage selbst übernehmen kann. Man kann die Solarzellen selbst an einer Balkonbrüstung montieren, ohne einen Techniker aufzubieten. Für Mieterinnen und Mieter ist das eine Möglichkeit, selbst Solarstrom zu produzieren. Wer mehr Platz zur Verfügung hat, könnte sich für ein Energiemöbel interessieren: Gartentische oder Gartenhäuschen mit integrierten Solarmodulen, die man ebenfalls selbst aufstellen kann.

    Neben der einfachen Installation ist für Plug&Play-Solaranlagen aber vor allem typisch, dass sie zuhause einfach an eine Steckdose angeschlossen werden können – wie der Name (plug) schon sagt. Wir sind es gewohnt, dass Strom zuhause nur in eine Richtung fliesst und zwar in unsere eingesteckten Geräte hinein. Elektrizität kann jedoch in beide Richtungen fliessen. Plug&Play-Solaranlagen speisen die gewonnene Energie direkt in den Stromkreislauf  ein und versorgen damit Geräte, die im trauten Heim im Einsatz stehen.

    Die Stromproduktionsleistung einer Plug&Play-Anlage darf 600 Watt nicht überschreiten. Bei einer höheren Leistung könnten die elektrischen Leitungen des Gebäudes überlastet werden. Das würde eine latente Brandgefahr darstellen. Mit der begrenzten Anlageleistung kommen zwar keine riesigen Strommengen zusammen. Doch immerhin: In einem vier-Personen-Haushalt können, abhängig vom Verbrauch, etwa 10 Prozent des Strombedarfs über eine Plug&Play-Anlage abgedeckt werden. Strom, der nicht gebraucht wird, fliesst via Zähler ins allgemeine Stromnetz. Da in der Schweiz Solaranlagen erst ab einer Produktionskapazität von 2000 Watt Anspruch auf Fördermassnahmen haben, stellt der Bund keine Gelder für diese Mini-Solaranlagen bereit. Dafür ist die Anschaffung einer Plug&Play-Anlage erschwinglich: Ab 600 Franken ist man dabei.

    Worauf muss ich beim Kauf achten? Bei der Auswahl einer Plug&Play-Anlage sollte man ein Modell wählen, das den eigenen Bedürfnissen und Sonnenverhältnissen am besten entspricht. Der Verkäufer muss ausserdem zwingend eine sogenannte Konformitätserklärung ausstellen. Diese garantiert, dass die Anlage den Normen der relevanten Verordnungen entspricht. Das Bundesamt für Energie hat eine Übersicht von Anbietern von Solarmodulen für Mieterinnen und Mieter in einer Excel-Tabelle zusammengestellt, die als erste Orientierung dienen kann. Unter dem Register «Mini-Solaranlagen» findet man gute Anbieter von Plug&Play-Solaranlagen. Auch ein Merkblatt von EnergieSchweiz zu Solarstrom für Mieterinnen und Mieter bietet einen hilfreichen Einstieg in das Thema. 

     

    Bewilligungen und Meldepflicht: Normalerweise ist für die Installation einer Plug&Play-Anlage nur eine Meldepflicht nötig: Man sollte seinen Stromnetzbetreiber darüber informieren, dass man die Installation einer Plug&Play-Anlage plant. Für Mieterinnen und Mieter ist es ebenfalls ratsam, der Hausverwaltung vor der Installation Bescheid zu sagen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann sich auch bei seiner Gemeindeverwaltung oder der kantonalen Energiefachstelle nach den lokalen Vorschriften erkundigen. So kann man vor der Anschaffung einer Anlage sichergehen, dass auch kantonales und kommunales Recht eingehalten wird.

    Wer sich näher für Plug&Play-Solaranlagen interessiert, für den haben wir weiterführende Links zusammengetragen. Sind Sie Mieterin oder Mieter und/oder verfügen über kein eigenes Dach oder keine eigene Fassade, können Sie auf www.energieschweiz.ch/mieterinnen-solar noch weitere Möglichkeiten finden, wie auch Sie Solarenergie beziehen und fördern können. Weitere Informationen zu Plug&Play-Solaranlagen finden Sie auf den Webseiten von Swissolar, dem ESTI und Energie-Umwelt.

    Lisa Brombach, Medien & Politik, BFE

    Quelle: energeiaplus.com

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  2. Es geht eben doch - mit Solar und ohne Atom
    Das war überfällig - endlich äussert sich die Solarbranche laut vernehmlich zur Solarstrategie innerhalb der Energiestrategie 2050, der das Schweizer Volk vor nunmehr bald fünf Jahren zugestimmt hat. Überfällig sind die Äusserungen, weil die Atomturbo diverser Herkunft  derzeit meinen, wieder mit Rückenwind zu segeln (u.a. EU-bedingt - notabene von einer Europäischen Union, die sonst des Teufels ist).  

    Noah Heynen: «Das sind die drei Säulen des
    Helion-Modells»
    Doch der Reihe nach!  Das Nachrichtenmagazin 10vor10 hat am Montagabend in einem längeren Beitrag konkret aufgezeigt, wie die beschlossene und doch immer wieder umstrittene Energiestrategie der Schweiz dank der Solarenergie bis ins Jahr 2050 realisiert werden kann > hier geht es zum Videobeitrag. Bemerkenswert war dabei, dass der unterdessen grösste Schweizer Solarinstallateur öffentlich Stellung bezieht und zeigt: Es geht! Aus Sicht von Helion eben wie folgt:

    1. Ein massiver Ausbau der Solaranlagen ist unerlässlich. Dafür bieten Hausdächer wie -fassaden, aber auch Infrastrukturanlagen aller Art längst genügend Möglichkeiten, um selbst im Winter den nötigen Strom zu erzeugen. Schon heute steht im übrigen ausser Zweifel, dass rein rechnerisch die so erzeugte Strommenge ausreicht, um auch einen gesteigerten Bedarf zu decken.
    2. Ohne Speicherung verschiedener Art geht es natürlich nicht, da allen sonnenklar (!) ist, dass die Sonne nicht immer scheint. Aber im Gegensatz zu den Energiewende-Skeptiker*innen gilt eben, dass auch im Speicherbereich längst viele Möglichkeiten entweder schon vorhanden oder in viel versprechender Entwicklung sind. 
    3. Eine besondere Rolle kommt gemäss Helion künftig dem Park der Elektro-Autos zu. Deren Batterien können nämlich in eine nationales Netz eingebunden werden und damit als weitere Speichermöglichkeit von Strom in Funktion treten. Verschiedene Automarken haben ihre Batterien bereits so aufgerüstet. An vorderster Front war dabei die japanische Unternehmung Nissan, deren Modelle schon seit Jahren an der Berner Fachhochschule Burgdorf in Erprobung stehen. Andere Firmen ziehen derzeit nach.

    Natürlich ist ein solches Vorgehen noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Der St.Galler Energie-System-Theoretiker Rolf Wüstenhagen äussert sich gemäss 10vor10 grundsätzlich zustimmend. Skeptischer ist Patrick Dümmler von Avenir Suisse. Dessen Bedenken beziehen sich vor allem auf die Kosten und nicht die grundsätzliche Realisierbarkeit. Er sieht im Stromausstausch mit der EU eher den Heilsweg, bleibt Argumente für dessen Realisierbarkeit angesichts der herrschenden Eiszeit zwischen Brüssel und Bern aber schuldig. 

    Die Stossrichtung der solaren Revolution hierzulande ist mit dem Vorschlag von Helion zweifellos einen Schritt weiter und konkreter. Die Realisierung wird sich über die nächsten 30 Jahre erstrecken. Nicht umsonst trägt die Energiestrategie ja den Zusatz 2050 im Titel. 

    Nochmals der Hinweis auf den >>> Videobeitrag

  3. Energieministerin live

    Im Energiebereich stehen in diesem Jahr zentrale Weichenstellungen an. Deshalb lässt es sich Simonetta Sommaruga nicht nehmen, trotz der Corona-bedingten Absage des Stromkongresses 2022 das Wort an die Branche zu richten. In ihrer Video-Ansprache thematisiert die Energieministerin…

    … das Rekordjahr 2021:

    «Die globalen Investitionen in erneuerbaren Strom erreichten im letzten Jahr erneut einen Rekordwert. Der Ausbau der Photovoltaik in der Schweiz boomt. 2020 war ein Rekordjahr, und das haben wir 2021 wahrscheinlich noch übertroffen. Beim Zubau pro Kopf zählt die Schweiz mittlerweile zu den führenden Ländern in Europa. Und auch Gebäudesanierungen und der Heizungsersatz sind im Trend.»

    … die Versorgungssicherheit:

    «Ganz oben steht die Versorgungssicherheit. Hier müssen wir der Bevölkerung aufzeigen, woher in Zukunft der Strom kommt. Ein wichtiger Schritt ist die Vorlage des Bundesrats zur Stärkung der Versorgungssicherheit mit erneuerbaren Energien, der Mantelerlass. […] Das Gesetz liegt seit einem halben Jahr vor, jetzt zähle ich darauf, dass das Parlament vorwärts macht.»

    … den runden Tisch Wasserkraft:

    «Bund, Kantone, Naturschutzverbände und Strombranche haben eine wichtige Vorleistung erbracht. […] Wir können 2 Terawattstunden Speicherwasserkraft bis 2040 zubauen. Strom, den wir brauchen, gerade im Winter. Deshalb sollte das Parlament jetzt die Mittel für diese Projekte rasch beschliessen.»

    … die Netzstabilität:

    «Mit dem Nein zum Rahmenabkommen sind die Dinge sicher nicht einfacher geworden, auf politischer und auf technischer Ebene. Alle Akteure sind aber an der Arbeit. Die Swissgrid hat letzte Woche die Verhandlungen für die Südgrenze erfolgreich abschliessen können. Das stärkt die Netzsicherheit.»

    … die Zusammenarbeit mit der EU:

    «Die Schweiz hat im Dezember [2021] mit sechs EU-Ländern, darunter auch unsere Nachbarstaaten, eine gemeinsame Erklärung zur Vorsorge vom Stromkrisen unterzeichnet. Wir wollen eng zusammenarbeiten und uns gegenseitig unterstützen, ohne jemanden auszuschliessen.»

    … lange Verfahren für den Bau von neuen Anlagen:

    «Ich lege dem Bundesrat schon bald eine Vorlage vor, mit der wir die Bewilligungsverfahren für grosse Wasserkraft- und Windanlagen beschleunigen.»

    … Investitionen in den Energiebereich:

    «Sicherheit kostet. Das ist im Energiebereich nicht anders als sonst wo. Im Energiebereich ist das Geld aber gut investiert. Heute sind wir sehr stark vom Ausland abhängig. Das können wir ändern. Dafür braucht es jetzt aber kräftige Investitionen im Strombereich.»

    … die Rolle der Branche:

    «Vieles läuft. Und dort, wo es Verbesserungen braucht, arbeiten wir an den Lösungen. Sicher ist: Vorwärts geht es nur gemeinsam. […] Ich danke Ihnen sehr für ihre Arbeit und ihren enormen Einsatz. Die Schweiz hängt wörtlich an ihnen und an ihrem Netz.»

    Quelle: VSE / strom.ch

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  4. Wirtschaftlichkeit und Versorgungs-Sicherheit der CH-Atomwirtschaft

    NZZ vom 14.1.22
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    So also sieht sie aus: Die Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit der Atomwirtschaft in der Schweiz, die unlängst wieder heftig beschworen wurde - doch nun das: Allein das bestehende AKW Leibstadt hat im vergangenen Jahr den Eignern eine halbe Milliarde Franken Verlust beschwert. Details sind noch nicht bekannt, doch die Neue Zürcher Zeitung hat die Angelegenheit in ihrer Freitagsausgabe öffentlich gemacht (wegen Bezahlschranke nicht direkt zugreifbar). 


    Was haben sie in den letzten Wochen und Monaten nicht wieder die Vorteile der atomaren Stromversorgung auch für die Schweiz beschworen. Allen voran die relativ neue Jugendorganisation  Energie Club Schweiz, die sich einerseits als politisch verstanden wissen will, andererseits aber einen unabhängigen Expertenrat für sich reklamiert, der  aus allesamt atomnahen Kreisen stammt, wie diese Aufstellung gemäss eigener Website zeigt:

    • Dipl. Ing. ETHZ, MBA Hans Achermann, ehem. Direktor Elektrizitäts-Gesellschaft Laufenburg (EGL) und ehem. Geschäftsleiter Kernkraftwerk Leibstadt.
    • Dr. phil. nat. Irene Aegerter, Physikerin, ehem. Vize-Direktorin Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE), ehem. Mitglied KSA, Präsidentin Fachausschuss Strahlenschutz und Entsorgung.
    • Prof. em. Dr. phil. Heinz Gutscher, Sozialpsychologe, ehem. Präsident Akademien Schweiz, ehem. Präsident ProClim und ehem. Mitglied Eidg. Energieforschungskommission CORE.
    • Dr. rer. pol. Eduard Kiener, dipl. Masching. ETH, ehem. Direktor Bundesamt für Energie (BFE).
    • Lic. jur. Beat Moser, ehem. Geschäftsführer Swisselectric, ehem. Präsident Forum Mobil.
    • Lic. rer. pol. Urs Näf, ehemals zuständig für Bereich Energie und Umwelt bei economiesuisse, ehem. Head of Government Affairs General Electric Switzerland, Fachbereichsleiter Industrie der Wirtschaftlichen Landesversorgung (Miliz)
    • Dr. Sc. nat. Bruno Pellaud, Physiker, ehem. stv. Generaldirektor Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO), ehem. Präsident Nuklearforum.
    • Lic. rer. pol. Markus Saurer, Industrieökonom und Publizist, Gründungs- und Vorstandsmitglied CCN, ehem. Vizedirektor im Sekretariat der Wettbewerbskommission.
    • Prof. em. ZHDK Martin Schlumpf, Autor für Energie- und Klimapolitik CCN, Daten-Kolumnist beim Nebelspalter.
    • Dr. Sc. nat, ETHZ, Hans-Jörg Schötzau, Physiker, ehem. Leiter Netze, Axpo, ehem. Vize-Präsident Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom).

    Der Energie Club hiesse also besser Atom Club - oder noch besser atomare Senioren-Vereinigung, denn all die ehemaligen Funktionen beziehen sich fast ausschliesslich auf atomare Lobbytätigkeit - und mitnichten Unabhängigkeit. Es kommt aber noch beser: Präsidentin ist mit Vanessa Meury eine umtriebige SVP-Jungpolitikerin aus dem Kanton Solothurn, die gerne und heftig austeilt (und einen sehr jungen Vorstand repräsentiert). Unlängst also teilte Meury (wie früher auch schon) sowohl gegen den Autor dieser Zeilen wie auch die SRG-Medien aus - die sich erlaubten, einen Experten ohne einschlägigen Universitätsabschluss (Mycle Schneider) zusammen mit einem der Atomorganisation Nuklearia nahen  zur Zukunft der nach wie vor umstrittensten Energieform zu befragen (siehe > hier). Dazu muss man wissen, dass dieser Nuklearia-Mann (Lucas Aebi war zuvor bei economiesuisse und dem Verband Schweizerischer Kantonalbanken tätig. Er hat in Zürich Recht und in London Politikwissenschaften studiert) ebenso wie Meury (ihres Zeichens Immobilienverwalterin im zarten Alter von Mitte 20) auch über keinen einschlägigen Abschluss verfügen.


    Sei's drum. Was also Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit bei der Atomwirtschaft heisst, zeigen die jüngsten Vorkommnisse rund um das neueste Schweizer Atomkraftwerk (AKW) Leibstadt, das mit der Inbetriebnahme im Jahre 1984 allerdings auch schon in die Jahre gekommen ist. Leibstadt nun stand 2021  während eines halben Jahres still, konnte also die als sicher geglaubten zehn Prozent des Landes-Stromverbrauchs während dieser Zeit nicht abdecken. Zur Erinnerung: den Erneuerbaren Energien wird jeweils ihre Wetterfühligkeit vorgeworfen - also dass sie gelegentlich während Tagen ausfallen resp. keine Strom produzieren (Windflauten, Nebel und natürlich die in der Nacht fehlende Lichtquelle).


    Also ist es um die Versorgungssicherheit der Atomkraft doch nicht zum besten bestellt. Zumal gilt: WENN eine (dann sehr gewichtige) Quelle ausfällt (was immer wieder vorkommt - im Jahr zuvor war es in ähnlichen Ausmass das Uralt-Kernkraftwerk Beznau), DANN gleich richtig. Will heissen, mit riesig viel fehlendem Strom. Die unerfreuliche Situation hat bedeutsame Folgen für die Wirtschaftlichkeit: Eine gute halbe Milliarde Franken müssen nämlich die Eigner (vor allem das grösste Elektrizitäts-Unternehmen der Schweiz, die Axpo - was deren Unlust an neuen AKW erklären mag) von Leibstadt nun aufbringen, um den Ausfall des letzten Jahres auszugleichen. Wie die Neue Zürcher Zeitung in ihrer Ausgabe vom 14.Januar schreibt, rühren die Verluste einerseits aus den nötigen Wartungs- und Reparaturschäden. Andrerseits und in grösserem Ausmass von 200 bis 300 Millionen Franken aus der Tatsache, dass Leibstadt den fehlenden nicht selbst produzierten Strom auf dem Spotmarkt zu weit höheren Preisen einkaufen musste, als sie ihn gemäss ihren langfristig abgeschlossenen Lieferverträgen weiterverkaufen konnte. 


    Fazit des Falles Leibstadt und zu erinnern für die sicher nicht abreissenden Auseinandersetzungen um die Frage, ob die Schweiz nun doch wieder neue AKW bauen solle: Solche kämen für die Abfederung des Klimawandels nicht nur zu spät, sie sind nicht nur gefährlich, wie das Atomanlagen halt sind (bezüglich Terroranschlägen und Endlagerung). Sie sind auch bezüglich Versorgung länst nicht so sicher, wie ihre Apologeten das gern glauben machen - und wirtschaftlich sind sie schon gar nicht. Denn neben Flops wie jetzt in Leibstadt treten ja die ins unermessliche gestiegenen Kosten für die Erstellung, wie sämtliche (wenige) Bauprojekte in Europa (Finnland, Frankreich, England) belegen. 

  5. 5 gute Gründe gegen AKW - Klima zum Trotz

    Zu Neujahr gingen drei deutsche Atomkraftwerke endgültig vom Netz, Brokdorf, Gundremmingen und Grohnde. Eigentlich ein Grund zum Feiern: Der deutsche Atomausstieg ist beschlossene Sache, und er geht voran. Doch der Beschlussentwurf der EU-Kommission, Investitionen in Erdgas und Atomkraft künftig als nachhaltig einzustufen, bringt das Thema europaweit wieder ins Gespräch. Kann Atomenergie tatsächlich nachhaltig sein? Die Antwort lautet gemäss dem Atom-Experten von Greenpeace Deutschland, Heinz Smital, ohne Einschränkung nein! Es ist ein politischer Skandal, dass eine Risikotechnologie, die in der Vergangenheit bereits unglaubliches Leid über unzählige Menschen gebracht hat, mit der Rettung unseres Klimas in Verbindung gebracht wird. Das sind seine fünf Gründe:

    1. Im Kampf gegen die Klimakrise spielen Atomkraftwerke keine Rolle

      Keine Energie ist gefährlicher und teurer als Atomenergie. Ihr Beitrag zur weltweiten Energiegewinnung ist mit zwei bis drei Prozent äußerst gering und könnte kurzfristig bis 2035 auch nicht mehr relevant erhöht werden. Selbst in Ländern wie den USA und Frankreich, die stark auf Atomenergie setzen, ist Atomenergie ein Auslaufmodell: Die Anlagen überschreiten ihre geplante Laufzeit, und es gibt kaum Neubauten.


    2. Atomkraft ist alles andere als eine zuverlässige Energiequelle

      Schon vor Jahren abgeschaltete Kraftwerke wie Brunsbüttel und Krümmel waren über lange Zeit nicht am Netz, weil es Brände oder andere Pannen gab. Frankreich musste in der Vergangenheit Energie aus Deutschland beziehen, weil viele seiner Atomkraftwerke keinen Strom lieferten, auch ganz aktuell kämpft das Nachbarland mit etlichen Ausfällen. Die vermeintlichen Stromlücken bei Erneuerbaren Energien sind dagegen ein Mythos: Man darf bei der regenerativen Energie nicht in einzelnen Kraftwerken denken. Es geht vielmehr um ein dezentrales, gut ausgebautes Netz mit präzisen Windprognosen und bestmöglichen Berechnungen über den Energieertrag. Um das zu schaffen, muss allerdings die Energiewende vorangetrieben werden; sie ist alternativlos, damit wir die deutschen und europäischen Klimaziele erreichen: Jeder Euro, der jetzt in Atomkraft fließt, fehlt.

    3. Neue Technologien machen Atomkraft weder sauberer noch sicherer


      Kleinere Atomreaktoren, sogenannte “small module reactors” (SMR) werden manchmal als Fortschritt in der Atomtechnologie verkauft, da sie angeblich geringere Risiken bergen. Will man jedoch die gleiche Menge Energie erzeugen, summieren sich – durch die wesentliche größere Anzahl von Kraftwerken – auch die Gefahren. Bei einer Kernspaltung entsteht unabhängig vom Reaktorkonzept Strahlung und radioaktiver Abfall, das lässt sich auch mit kleineren Reaktoren nicht wegdiskutieren. Also ist auch diese Form der Energieerzeugung zu gefährlich; wirtschaftlich ist es weit günstiger auf Erneuerbare zu setzen.


    4. Die Frage nach sicheren Endlagern ist nicht gelöst

      Auch nach siebzig Jahren zivil genutzter Atomkraft weiß niemand, was mit dem strahlenden Müll letztlich passieren soll. Brennstäbe, die mehr als eine Million Jahre für Menschen und Tiere gesundheitsgefährdend bleiben, müssten hunderte von Metern unter der Erde lagern, aber bislang gibt es kein einziges fertiges Endlager weltweit!


    5. Das Risiko ist zu groß

      Man mag es angesichts der Zerstörung kaum glauben, aber Tschernobyl und Fukushima waren keineswegs die schlimmsten Atomkatastrophen, die denkbar sind. Trotzdem sind dabei Gebiete über Generationen unbewohnbar geworden. Zudem wird die Gefahr eines gezielten terroristischen Angriffs auf Atomanlagen unterschätzt. Gerade die überalterten europäischen AKW entsprechen vielerorts nicht mehr höchsten Sicherheitsstandards.

       

      Quelle: Greenpeace Deutschland

       

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  6. Energiewende: Stand der Dinge in Deutschland

    Ein Rückgang der Erneuerbaren Energien im Strommix und ein deutlicher Anstieg der Emissionen stehen in Kontrast zu den jüngst angehobenen Klimazielen für 2030. Für eine Kehrtwende muss die Bundesregierung schnell ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen auf den Weg bringen. 

    Im Jahr 2021 sind die Treibhausgasemissionen in Deutschland deutlich angestiegen. Mit einem Plus von rund 33 Millionen Tonnen CO₂ beziehungsweise 4,5 Prozent gegenüber 2020 droht die Bundesrepublik den Anschluss an ihr 2030-Klimaziel zu verlieren. Zugleich wird mit 38 Prozent Emissionsminderungen gegenüber 1990 das 2020-Ziel von -40 Prozent wieder verfehlt. Haupttreiber für den Emissionsanstieg auf 772 Millionen Tonnen CO₂ waren die wirtschaftliche Teilerholung nach dem Pandemiejahr 2020, eine höhere Kohleverstromung bedingt durch stark gestiegene Gaspreise, ein Rückgang der Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien sowie eine kühlere Witterung. Das zeigt die Jahresauswertung von Agora Energiewende, in der der Thinktank die wichtigsten Entwicklungen der Energiewende in Deutschland im Jahr 2021 vorstellt.

     

    Die Umsetzungslücke zu den Klimazielen ist größer denn je: Die Agora-Analyse für 2021 bestätigt, dass die 2020 erreichten Emissionsminderungen überwiegend auf Einmaleffekte in Folge der Pandemie zurückzuführen waren. „Einerseits ist 2021 das Jahr, in dem sich Deutschland die ambitioniertesten Klimaziele seiner Geschichte gesetzt hat. Andererseits wächst die Umsetzungslücke weiter, die die neue Bundesregierung jetzt dringend mit wirksamen Klimaschutzmaßnahmen schließen muss“, sagt Simon Müller, Direktor Deutschland bei Agora Energiewende. „Insbesondere beim Klimaschutz im Gebäudebereich und bei den Erneuerbaren Energien gibt es großen Aufholbedarf.“

    Das Klimaschutzgesetz gibt Minderungsziele für die Bereiche Energiewirtschaft, Gebäude, Verkehr, Industrie und Landwirtschaft vor. Laut Agora-Analyse verfehlt der Gebäudesektor nach 2020 nun auch 2021 das gesetzlich festgelegte Klimaziel, diesmal um 12 Millionen Tonnen CO₂. Hinzu kommt eine knappe Zielverfehlung im Verkehrssektor, obwohl die Mobilität der Deutschen coronabedingt noch immer eingeschränkt war. Die Emissionen der Industrie lagen auf dem Zielpfad, weil die Produktion auch 2021 noch etwas gedämpft war. „Die wirtschaftliche Erholung des vergangenen Jahres war nicht grün. Angesichts des fortgesetzten Konjunkturaufschwungs ist ein weiterer Emissionsanstieg 2022 bereits absehbar. Nur ein schnell wirksames und umfassendes Sofortprogramm der neuen Bundesregierung kann verhindern, dass die Schere zwischen Klimazielen und Klimamaßnahmen noch weiter aufgeht“, sagt Müller.

    Einbruch bei Ökostromproduktion, Comeback der Kohle: Während die Stromproduktion aus Windkraftanlagen 2021 der Agora-Analyse zufolge den größten Einbruch aller Zeiten verzeichnete, erzielte die Kohleverstromung einen Rekordzuwachs. Insgesamt lieferten Erneuerbare Energien 40,5 Prozent an der gesamten Stromerzeugung im Vergleich zu 43,6 Prozent 2020. Ihr Anteil am Stromverbrauch, also abzüglich des Exportüberschusses, lag 2021 nur noch bei 42,3 Prozent – im Vorjahr hatten sie dank Sondereffekten noch den Höchstwert von 45,6 Prozent erreicht. Die Kohle erhöhte ihren Anteil an der Stromerzeugung dagegen bedingt durch hohe Gaspreise um knapp ein Fünftel auf 27,8 Prozent – nach großen Verlusten im Jahr 2020.

    Der schrumpfende Ökostromanteil im Jahr 2021 hatte vor allem zwei Gründe: Einerseits erholte sich der Stromverbrauch gegenüber 2020 wieder und stieg von 548 auf 560 Terawattstunden. Andererseits konnte dieser Anstieg aufgrund ungünstigerer Wetterbedingungen, wie schwächeren Winterstürmen zu Jahresbeginn, nicht von den Erneuerbaren abgedeckt werden. „Der starke Rückgang bei den Erneuerbaren Energien zeigt die Versäumnisse der Energiepolitik der letzten Jahre auf. Um den Ökostrom-Anteil bis 2030 wie im Koalitionsvertrag vorgesehen nahezu zu verdoppeln, braucht es nun einen massiven und schnellen Ausbau von Wind- und Solaranlagen“, sagt Simon Müller. Den Rekordambitionen bei den Klimazielen steht ein Zubau von Erneuerbaren-Energien-Anlagen 2021 von nur 6,7 Gigawatt auf insgesamt 137 Gigawatt gegenüber. Solaranlagen machten drei Viertel des Zuwachses aus, der Rest waren neue Windenergieanlagen an Land. Windenergieanlagen auf See wurden 2021 keine angeschlossen. „Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Eine Ausbauoffensive für Solarenergie kann schon ab 2022 dazu beitragen, die Ökostromlücke zu schließen“, ergänzt Müller.

    Große Preissprünge an den Energiemärkten: 2021 war außerdem das Jahr der fossilen Energiepreisrallye mit großen Preissprüngen an den Märkten: Im Jahresverlauf verelffachte sich der Preis von fossilem Gas zwischenzeitlich – von anfangs 20 Euro je Megawattstunde auf über 220 Euro. Infolgedessen wurden Steinkohlekraftwerke verstärkt eingesetzt. Der Mehreinsatz von Kohlekraftwerken erhöhte den CO₂-Ausstoß sowie die Nachfrage an CO₂-Zertifikaten im Europäischen Emissionshandel, wodurch auch der CO₂-Preis im Jahresmittel von 24,8 Euro je Tonne CO₂ auf 53,6 Euro anstieg; Ende des Jahres lag er bei rund 80 Euro je Tonne.

    Im Tagesdurchschnitt stieg der Börsenstrompreis im Jahresverlauf zeitweise um mehr als das Siebenfache, von anfänglich 50 Euro auf über 430 Euro je Megawattstunde. Stromkund:innen bekamen diese starken Preisanstiege an der Börse im vergangenen Jahr bisher nur vereinzelt zu spüren. Durchschnittlich waren für Strom 32,2 Cent je Kilowattstunde fällig – ein Plus von 3,9 Prozent im Vergleich zu 31,0 Cent je Kilowattstunde im Jahr 2020. Ursächlich hierfür war in erster Linie das Ende der Mehrwertsteuersenkung; gleichzeitig wirkte die Absenkung der EEG-Umlage dämpfend. „Die Preisausschläge bei den Energiepreisen werden ab 2022 auch bei den Haushalten stark spürbar werden. Kurzfristig braucht es daher sozialpolitische Maßnahmen für einkommensschwache Haushalte, um steigende Strom- und Gasrechnungen abzufedern. Um langfristig günstige Energiepreise zu sichern, lautet die Lösung: Erneuerbare ausbauen. Nur so werden grüne Technologien wettbewerbsfähig und der Industriestandort Deutschland fit für die Klimaneutralität“, so Müller. Die Energiepreise werden die öffentliche Debatte auch dieses Jahr prägen. „Das Energiepreisniveau 2022 wird vor allem von der Entwicklung des Erdgaspreises abhängen, da dieser die Preise für Strom und Wärme vorgibt“, sagt Agora-Experte Müller. Ausschlaggebend sind die Wetterbedingungen zu Jahresbeginn, die Verfügbarkeit von Gas-Import-Kapazitäten sowie die geopolitische Lage.

    2022 wird entscheidend für das Erreichen der 2030-Klimaziele: In diesem Jahr muss die neue Bundesregierung das im Koalitionsvertrag angekündigte Klimaschutz-Sofortprogramm abschließen. Mit der Vollendung des Atomausstiegs 2022 und dem laufenden Kohleausstieg, muss das Sofortprogramm eine neue Dynamik für das Erreichen der 2030-Klimaziele schaffen. „2022 gilt es, endlich genug Flächen für Windkraft zu sichern, die Photovoltaik zu entfesseln, und die Netze für Klimaneutralität zu planen. Die Industrie braucht einen belastbaren Investitionsrahmen. Gebäudesanierungen und die soziale Wärmewende gibt es nur mit klaren Vorgaben und ausreichenden Fördermitteln“, sagt Müller. Auf europäischer Ebene wird die Implementierung des Fit-for-55-Pakets der Europäischen Kommission im Vordergrund stehen, bei der die neue Bundesregierung die Chance hat, auf eine ambitionierte Umsetzung hinzuwirken. „2022 muss das Jahr der Klimamaßnahmen werden, wenn die Bundesregierung es mit dem Bekenntnis zum 1,5-Grad-Ziel ernst meint“, sagt Müller.

    Die Studie „Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2021“ steht unter www.agora-energiewende.de zum kostenfreien Download bereit. Sie umfasst 70 Seiten sowie zahlreiche Abbildungen, die ebenfalls zum separaten Download in gängigen Formaten angeboten werden.

     

    Für redaktionelle Rückfragen:
    Dr. Jahel Mielke, Leiterin Kommunikation, Agora Energiewende
    E: jahel.mielke@agora-energiewende.de
    M: +49 151 27 65 61 96                              

     

    Über Agora Energiewende
    Agora Energiewende erarbeitet wissenschaftlich fundierte und politisch umsetzbare Wege, damit die Energiewende gelingt – in Deutschland, Europa und im Rest der Welt. Die Organisation agiert unabhängig von wirtschaftlichen und parteipolitischen Interessen und ist ausschließlich dem Klimaschutz verpflichtet.

     

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  7. Die Gewinner des Watt d’Or 2022: Formula2050



    Zum 15. Mal verleiht das Bundesamt für Energie den Watt d’Or. Das Motto dieses Jahr: Formula2050, die Erfolgsformel für die Energiezukunft der Schweiz. Drei Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen haben ihre persönliche Formula2050 schon gefunden. Heute abend dürfen sie dafür den Watt d’Or 2022 entgegennehmen. Auf energeiaplus.com/wattdor2022 oder auf www.wattdor.ch können Sie die Preisverleihung ab kurz vor 16.30 Uhr mitverfolgen. Energeiaplus stellt hier die ausgezeichneten Projekte vor:

     

    Kategorie Energietechnologien: Lastmanagement der SBB

    Es ist nur ein kleines Zeitfenster, das es aber in sich hat bei den SBB: Alle Züge fahren im Taktfahrplanbetrieb fast gleichzeitig los, was zu einem kurzzeitigen, aber starken Hochschnellen des Energieverbrauchs führt. Mit einer innovativen, von der SBB selbst entwickelten Lastmanagementsoftware können diese Spitzen gebrochen werden. Ganz einfach indem Zug- und Weichenheizungen kurz und gezielt abgeschaltet werden. Ein smarter Weg, um den Stromverbrauch zu flexibilisieren und so viel Geld für den Bau von immer mehr Strominfrastrukturanlagen zu sparen.

     

    Kategorie Erneuerbare Energien: Pflanzenkohle der Verora AG

    Mit der Herstellung von Humuskompost ist die Zuger Verora AG schon seit Jahrzehnten erfolgreich. Seit 2012 kann sie nun auch holzreiches Grüngut, das schlecht vergärt, verwenden. Sie stellt damit neben qualitativ hochwertigen Holzschnitzeln auch Pflanzenkohle her. Die dazu nötige Pyrolyse-Anlage hat das Team der Verora AG vom Prototypen der Pyreg GmbH zur zuverlässig funktionierenden Produktionsanlage weiterentwickelt. Die Pflanzenkohle ermöglicht die langfristige Speicherung von CO2 und gehört damit zu den Negativemissionstechnologien, die für die klimaneutrale Energiezukunft eine wichtige Rolle spielen.

     

    Kategorie Gebäude und Raum: Klimaneutrales Gebäude der schaerraum ag

    Die Aussicht des Wohn- und Gewerbegebäudes am Vierwaldstättersee ist einmalig. Mindestens so einmalig ist das mehrstöckige Holzgebäude selber. Das Prinzip des Erbauers: Der Faktor Null. Gemeint ist damit, Ressourcen so effizient wie möglich einzusetzen. Dabei hilft das von der schaerraum ag entwickelte modulare Planungsprinzip «RaumRaster»: In ein «Skelett» aus Holz, das auf einem Betonsockel steht, können flexibel kombinierbare Module eingesetzt werde. So kann sehr rasch gebaut werden und   aus einem Baum möglichst viel Haus entstehen.  Effizienz wird auch beim Energieverbrauch konsequent umgesetzt mit Erdsonden, Solarpanels auf dem Dach und einem ausgeklügelten Heizungs-, Kühlungs- und Lüftungssystem, dem «Kachelofen 2.0», entwickelt vom letztjährigen Watt d’Or Gewinner Beat Kegel. So produziert das Haus 50 Prozent mehr Energie als es verbraucht und bietet Wohnraum zu günstigen Mietpreisen.

     

    Fabien Lüthi (Videos) und Brigitte Mader, Kommunikation, Bundesamt für Energie

     

    Quelle: energeiaplus.com (mit Video zu den Preisträgern)

     

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  8. Neue Regulierungen für den CH-Energiebereich

    Am 1. Januar 2022 sind einige Verordnungs- und Gesetzesänderungen in Kraft getreten. Energeiaplus gibt die Übersicht - hier eine relevante Auswahl.

     

    Verordnungen

    Die Revision der Energieverordnung (EnV) bringt rechtliche Präzisierungen zur Wasserkraft und zu den Zielvereinbarungen für die Rückerstattung des Netzzuschlags. Und bei den Zusammenschlüssen zum Eigenverbrauch (ZEV) wurde die Abrechnung der Kosten für das Anlagen-Contracting vereinfacht. Die Änderungen an der Energieeffizienzverordnung (EnEV) bringen Anpassungen an EU-Verordnungen, sowie Korrekturen und Präzisierungen in den Anhängen der Verordnung.

     

    Mit der Revision der Energieförderungsverordnung (EnFV) wird der Grundbeitrag der Einmalvergütung für Photovoltaikanlagen und der Leistungsbeitrag für Anlagen ab 10 kW gesenkt. Neu wird der Referenz-Marktpreis für Biomasse, Kleinwasserkraft und Windenergie auf Basis des monatlichen Durchschnitts berechnet. Anpassungen gibt es ausserdem bei der Förderung der Kleinwasserkraft, bei den energetischen Mindestanforderungen für Kehrrichtverbrennungsanlagen und bei der Dokumentation von Holzkraftwerken.

     

    Dank der neuen Version der Verordnung über den Herkunftsnachweis und die Stromkennzeichnung (HKSV) können Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von weniger als 100 kW einfacher registriert werden. Anlagen, die weniger als 2 kW Leistung haben, können weiterhin nicht registriert werden. Detaillierte Informationen zu diesem Revisionspaket finden sich in der  Medienmitteilung vom 24. November 2021.

     

    Die revidierte CO2-Verordnung betrifft die Emissionsvorschriften für Personenwagen, Lieferwagen und leichte Sattelschlepper. Ebenfalls von der Revision betroffen sind Autoimporteure: Wenn sie die CO2-Zielwerte verfehlen, müssen sie neu auch für die klimaschädlichsten Fahrzeuge in ihrer Flotte Sanktionen zahlen. Mehr Informationen dazu gibt es in der Medienmitteilung vom 24. November 2021.

     

    Gesetze

    Mit dem revidierten Kernenergiehaftpflichtgesetz und der revidierten Kernenergiehaftpflichtverordnung setzt die Schweiz die revidierten Kernenergiehaftpflichtübereinkommen von Paris und Brüssel in ihrer Gesetzgebung um. Dies bringt unter anderem eine internationale Harmonisierung der Opferentschädigung im Falle eines schweren Nuklearunfalls. Eine ausführliche Zusammenfassung der Änderungen finden Sie in der  Medienmitteilung vom 25. August 2021.

     

    Ausblick

    Der Bundesrat wird voraussichtlich im Juli 2022 ein weiteres Revisionspaket in Kraft setzen. Dieses beinhaltet die Revisionen der Energieeffizienzverordnung (EnEV), der Niederspannungs-Installationsverordnung (NIV) und der Raumplanungsverordnung (RPV). Die Vernehmlassung dazu wird am 25. Januar 2022 abgeschlossen. Ausführliche Informationen zu diesen Revisionen gibt es in der  Medienmitteilung vom 11. Oktober 2021.

     

    Quelle:  energeiaplus.com  Lisa Brombach, Medien & Politik, BFE

     

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  9. Anlass zu Zuversicht

    Warum soll für die Schweiz nicht gelten, was sich Deutschland respektive die neue Ampel-Regierung auf die Fahne geschrieben hat: Das neue Jahr soll entscheidend für die Energiewende werden. Nun sind die Voraussetzungen hierzulande zugegebenermassen nicht so optimal, aber es gibt dennoch Anlass für Zuversicht.

     

    Die erbittertsten Skeptiker*innen und direkten Gegner*innen der Energiewende haben zwar zu Ende des ablaufenden Jahres nochmals so richtig zugelegt. Vor allem sind die Befürworter*innen von Atomstrategien jedweder Art in die Offensive gegangen – und auch die Ablehnung des CO2-Gesetzes im Sommer war nicht wirklich hilfreich für all jene, die sich die Energie- und insbesondere die Sonnenwende auf die Fahne geschrieben haben. Doch davon erst später. 

     

    Was nämlich auch geschehen ist im 2021: Wie schon im Vorjahr wurde wohl ein Rekord im Zubau von Kapazitäten zur Erzeugung von Solarstrom erzielt. Ob gar die doch respektable Grenze von 0,5 Gigawatt (oder deren 500 Megawatt) erreicht wird (2020 waren es knapp weniger), steht noch nicht fest, ist aber möglich. Und im nun anbrechenden 2022 stehen die Zeichen durchaus auf weiteres Wachstum – denn unabhängig von jeglicher Einstellung zur Energiewende und der Energiestrategie 2050 sind sich doch die meisten einig: Ein Ausbau der Erneuerbaren Energien ist auf jeden Fall nötig! Das gestehen sogar nicht ganz so fundamentalistische Befürworter*innen neuer AKW zu, wie etwa der nunmehr aus dem ETH-Betrieb ausgeschiedene Professor für Nuklearenergie, Horst-Michael Prasser.

     

    Der Blick über die Landesgrenze macht gleichzeitig klar: In Energiefragen geht wenig bis nichts ohne gute Rahmenbedingungen oder sogar die direkte Förderung durch den Staat. Österreichetwa hat die direkt verfügbaren Mittel für die Solarenergie deutlich erhöht, wenn sie auch im Vergleich zur Schweiz noch bescheiden anmuten. Frankreich lässt durch seinen die Wiederwahl anstrebenden Präsidenten Emanuel Macron zwar ausrichten, man wolle jetzt wieder die Atomenergie fördern (mit der vergleichsweise bescheidenen Summe von einer Milliarde Euro). Doch still und leise vollzieht sich im westlichen Nachbarland auch eine Revolution bei den Erneuerbaren – zumal das Land hervorragende Voraussetzungen sowohl für die Nutzung von Sonnen- wie von Windkraft hat (gute Windverhältnisse und südliche, wenig besiedelte Lagen).

     

    Schliesslich nicht zu reden von Deutschland, das sich mit der neuen Ampelregierung nichts weniger als den vehementen Kampf gegen den Klimawandel und für eine baldige Versorgung mit 80% Erneuerbaren auf die Fahnen geschrieben hat. Man mag zu Beginn der Regierungstätigkeit in Deutschland enttäuscht gewesen sein vom geringen Einfluss der Grünen Partei. Aber letztlich haben sich die Grünen doch die für Nachhaltigkeit entscheidenden Ressorts gekrallt. Dazu gehört neben dem Klima auch die Wirtschaft (gemeinsam) im Allgemeinen und nicht zu vergessen die Landwirtschaft. Es mag innerhalb der Schweiz also nach der (nur knapp) verlorenen Abstimmung im Juni Katzenjammer vorgeherrscht haben, aber die politische Entwicklung wird sich nicht abkoppeln können von dem, was im europäischen Umfeld gerade die Oberhand zu gewinnen scheint. Dazu gehört zwar die  soeben teils preferierte Neueinteilung der Nuklearenergie als nachhaltig - doch gegessen ist auch diese Chose noch nicht.

     

    In der Schweiz geht es also weiter – einerseits mit politischen Vorgaben, die im Bereich der Energiegesetzgebung ihrer Umsetzung harren, die aber Schub versprechen. Und sodann ganz praktisch mit dem erklärten Willen der Energiewirtschaft. Deren zwei Exponenten – die CEO von Axpo und Alpiq – haben sich ebenfalls klar die angestrebte Energiewende auf die Fahne geschrieben. Das sorgt denn auch in den fossil-nuklear-beherrschten Kreisen für allerhand Verwirrung. Aber es bleibt ein Fakt – die auch schon als Dinos der alten Energiewirtschaft verhöhnten Grossunternehmen sind plötzlich an Bord sowohl ablehnender Stimmen zu neuen AKW wie auch bei den Erneuerbaren-Befürworter*innen. Ausdruck findet das auch in den entsprechenden Stellungnahmen des Branchenverbandes VSE.

     

    Mit Genugtuung mag man auch vermerken, dass die nunmehr zuständige Bundesrätin Simonetta Sommaruga zu einer zwar nicht heftigen, aber soliden Befürworterin der Energiewende mutiert ist, die weder die Konfrontation in Wirtschaft und Politik noch mit zivilgesellschaftlichen Energieverbänden scheut und eine erkennbare Linie verfolgt. Deren Konturen man sich zwar gelegentlich schärfer wünschte, die aber für nicht weniger steht als eine Energiepolitik, die dem Abstimmungsergebnis zur Energiestrategie von 2017 entspricht. Und die, wie der jüngst wieder publizierte, jährliche  Monitoringbericht des Bundesamts für Energie auch auf Kurs ist.

     

    Erinnert sei daran, dass die Solarenergie aktuell wieder spektakuläre technische Fortschritte macht (Wirkungsgrad, Rohstoffe). Und sie ist preislich auf ein unglaublich günstiges Niveau getaucht. Das verdankt die Welt einerseits einer frühen und resoluten Förderung in Deutschland und einer darauf folgenden gigantischen Modul-Produktionsschlacht in China. Die dabei teilweise aufgetretenen Menschenrechtsverletzungen in Zusammenhang mit der Zwangsbeschäftigung von Uiguren im westlichen China seien nicht verschwiegen. Aber die Produktion erfolgte längst nicht nur in diesen gänzlich unterdrückten Gebieten: Wuxi und Ningbo im Osten wie andere Industriegebiete verfügten und verfügen noch über erhebliche Produktionskapazitäten – wie etwa auch die bei Ningbo ansässige Niederlassung der schweizerischen Megasol, die mit ihren speziellen Modulen immer wieder für Furore sorgt (Glaskonstruktionen, Spezialgrössen, Farbigkeit).


    Also zum Schluss kurz und bündig zurück zur eingangs aufgeworfenen heftigen Gegenwehr der Atombefürworter*innen. Es scheint sich um ein letztes Gefecht zu handeln in einer schon verlorenen Sache. Denn gerade wo schnelles Handeln angesagt ist – also der Realisierung neuer Kapazitäten der Energiegewinnung – fällt das Urteil für die Kernkraft vernichtend aus: Zu teuer, zu langsam, weiterhin viel zu gefährlich in mancherlei Hinsicht – und politisch nicht realisierbar in der CH-Demokratie. Also Gemach: 2022 verspricht wirklich auch hierzulande ein wichtiges Jahr der Energiewende hin zu den erneuerbaren und ungefährlichen Varianten, vor allem der Sonne, zu werden!


  10. Solar goes Airport Flughafen Kochi Kerala

     Wiedergabe ab 18'25''

    Ein Flughafen in Indien macht es vor, was gerade auch auf den grossen Flächen der internationalen Flughäfen möglich wäre - eine weit gehende Selbstversorgung mit Solarstrom für den Flughafen selbst, eine hilfreiche Einbindung ins lokale Stromnetz (tagsüber Zulieferung von Strom, nachts Bezug) sowie landwirtschaftliche Produktion auf Flächen mit Solarmodulen.

    Quelle: SRF 10vor10

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  11. 2021: Kein gutes Jahr für Solarenergie-Aktien

    Der PPVX fiel letzte Woche um 0,8% auf 3.620 Punkte, der NYSE Arca Oil stieg um 2,7%. Der PPVX liegt mit -11,0% seit Jahresanfang 2021 währungsbereinigt rund 71 Prozentpunkte hinter dem Erdölaktienindex NYSE Arca Oil (+59,7%). Die Top-3-Titel seit Jahresanfang sind GCL Poly Energy Holding(+112%), Sino-American Silicon Products(+29%) und West Holdings (+22%). Der PPVX-Börsenwert beträgt rund 127,8 Mrd. Euro. Die Gewinner der Woche waren Solaria Energia y Medio Ambiente (+9%) und Scatec (+5%), die Verlierer Flat Glass Group(-7%) und JinkoSolar Holding (-7). Seit Anfang 2003 liegt der PPVX (+1.187%) rund 1.035 Prozentpunkte vor dem Erdölaktien-Index (mit +142%).

                                                  Vergrössern mit Klick auf Tabelle !

    Der Solaraktienindex PPVX erscheint auf Solarmedia jeden Monat neu

     Quelle: oeko-invest.net

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  12. D: Nächster Schritt aus der Wegwerfgesellschaft

    Am 1. Januar 2022 treten umfangreiche Neuerungen in Kraft, um unnötige Plastikabfälle zu vermeiden. Plastiktüten werden in Deutschland verboten, die Pfandpflicht wird auf sämtliche Einwegflaschen aus Kunststoff und Getränkedosen ausgeweitet. Auf diese Weise sollen Verpackungsabfälle verlässlicher und sortenrein gesammelt werden. Dadurch eignen sie sich für ein hochwertiges Recycling. Darüber hinaus werden ab 2022 die Recyclingquoten, die die Hersteller von Verpackungen erreichen müssen, für alle Verpackungsarten weiter erhöht.

    Bundesumweltministerin Steffi Lemke: „Deutschland geht 2022 den nächsten Schritt raus aus der Wegwerfgesellschaft. Lange haben wir über das Aus für Plastiktüten diskutiert, jetzt tritt das Verbot endlich in Kraft. Der Umgang mit Plastiktüten ist symbolisch für unseren verschwenderischen Umgang mit fossilen Ressourcen wie Erdöl und auch für die Plastikflut im Alltag generell. Plastiktüten gehören zu den Produkten, die mit am häufigsten in der Umwelt landen; in Parks, an Stränden und am Ende im Meer. Aber: Kunststoffe gehören in die Wertstofftonne oder in den Pfandautomaten. Deshalb weiten wir 2022 die Pfandpflicht auf sämtliche Einwegflaschen aus Plastik und Getränkedosen aus. Bisherige Ausnahmen entfallen. So schaffen wir endlich Klarheit für Verbraucherinnen und Verbraucher, und noch mehr Kunststoff wird sortenrein gesammelt. Das erleichtert nicht zuletzt das Recycling: Mehr Kunststoff kann wieder zu Kunststoff werden und muss nicht aus Erdöl entstehen. Die Pfandpflicht hilft uns, den Rohstoff künftig noch besser im Kreislauf zu führen. Ab dem Jahr 2025 muss dann außerdem fast jede Kunststoffflasche zu einem wachsenden Anteil aus recyceltem Kunststoff bestehen.“

    Verbot von Plastiktüten: Ab dem 1. Januar 2022 gilt in Deutschland ein umfassendes Verbot für Tragetaschen aus Kunststoff. Nur sehr leichte Plastiktüten, so genannte „Hemdchenbeutel“ von weniger als 15 Mikrometern Wandstärke, sind weiterhin erlaubt. Sie sorgen vor allem für einen hygienischen Umgang mit offenen und leicht verderblichen Lebensmitteln. Für diesen Zweck gibt es noch keine gute Alternative. Daher kämen infolge eines Verbots womöglich mehr vorverpackte Waren auf den Markt, was zu einer Zunahme des Verpackungsmülls führen würde. Viele Handelsketten verzichten schon heute auf Verpackungen für lose Produkte, wo es möglich ist. Kunststofftragetaschen mit einer Wandstärke von mehr als 50 Mikrometern sind ebenfalls vom Verbot ausgenommen. Sie sind vergleichsweise stabil und werden daher typischerweise als abfallvermeidende Mehrwegtaschen verwendet. Bereits im Juli 2021 wurden EU-weit bestimmte Einwegprodukte aus Kunststoff verboten, für die es ökologisch bessere Alternativen gibt.

    Pfandpflicht wird ausgeweitet: Ab 2022 ist zudem ein Pfand auf fast alle Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff verpflichtend. Außerdem müssen dann sämtliche Getränkedosen mit einem Pfand belegt werden. Die Gesetzesnovelle beendet die bisherigen Ausnahmeregelungen für bestimmte Getränke in Plastikflaschen und Dosen. Bislang waren zum Beispiel Fruchtsaftschorlen mit Kohlensäure pfandpflichtig, ein Fruchtsaft ohne Kohlensäure hingegen nicht. Künftig gilt grundsätzlich: Ist eine Einweggetränkeflasche aus Kunststoff, dann wird sie mit einem Pfand belegt. Ausnahmen für Fruchtsäfte oder alkoholische Mischgetränke in Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff oder Getränkedosen fallen weg. Für Milch oder Milcherzeugnisse in Kunststoffflaschen gilt eine Übergangsfrist bis 2024. Bereits in Verkehr befindliche Getränkeverpackungen dürfen noch bis längstens 1. Juli 2022 pfandfrei verkauft werden.

    Recyclingquoten werden erhöht: Die von Industrie und Handel finanzierten dualen Systeme müssen ab 2022 höhere Recycling-Quoten erreichen. Künftig müssen sie dafür sorgen, dass je 90 Prozent der verwendeten Verpackungen aus Eisenmetallen, Aluminium, Glas sowie Papier, Pappe und Kartons ins Recycling gelangen. Für Getränkekartons gilt die neue Mindestquote von 80 Prozent, für Kunststoffe 63 Prozent. Das heißt: aus den jeweiligen Verpackungen müssen also wesentlich mehr Wertstoffe wiedergewonnen werden, aus Papier muss wieder neues Papier, aus Kunststoffen müssen wieder neue Kunststoffprodukte werden. Das Verbrennen beziehungsweise die energetische Verwertung der Abfälle zählt nicht zum Recycling. Alle aktuellen Quotenvorgaben wurden im Jahr 2020 von den dualen Systemen im Durchschnitt eingehalten und sogar übertroffen. So gingen 90,6 Prozent der bei den Systemen beteiligten Verpackungen aus Papier, Pappe und Karton ins Recycling (Vorgabe bisher: 85 Prozent). Kunststoffverpackungen wurden zu 60,6 Prozent werkstofflich verwertet (Vorgabe bisher: 58,5 Prozent), Getränkekartonverpackungen zu 76 Prozent (Vorgabe bisher 75 Prozent).

    Weiterführende Informationen: „Weniger ist mehr“: Verbraucher-Informationen für weniger Verpackungsmüll

    Quelle: Dt. Bundesministerium für Umwelt - Pressedienst 21.12.21

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  13. Was Energieperspektiven sind - und was nicht

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    Die Energieperspektiven sollen – wortwörtlich genommen – das Energiesystem «durchschauen». Das tun sie, in dem die möglichen Entwicklungen von Energienachfrage und -angebot (und auch weiteren treibhausgasrelevanten Sektoren) im Detail unter klar definierten Bedingungen untersucht und zu konsistenten «Welten» zusammengebaut werden. Technisch wird hierfür die Szenarienmethodik verwendet: Die Energieperspektiven sind ein Satz von verschiedenen Szenarien, mit denen der Raum der Möglichkeiten und Handlungsoptionen zum Erreichen der Klimaneutralität bis 2050 untersucht wird. Ein Überblick im Auftrag des Bundesamts für Energie.

    Szenarien bilden aus heutiger Sicht mögliche und konsistente Entwicklungen ab. Sie sind keine Prophezeiungen (also so genannte «unbedingte Aussagen»), denn die sind schon seit ein paar tausend Jahren aus der Mode. Es ist also wahrscheinlich, dass die Welt im Jahr 2050 klimaneutral ist, aber in vielen Details anders aussieht als die Szenarienuntersuchungen ergeben. Die Szenarien zeigen wie gesagt, konsistente Möglichkeiten, wie sich das Energiesystem unter plausiblen und heute als wahrscheinlich angenommenen Voraussetzungen entwickeln könnte. In unterschiedlichen Szenarien werden verschiedene denkbare Strategien analysiert, mit so genannten «Sensitivitätsrechnungen» wird untersucht, wie robust das System unter verschiedenen definierten Veränderungen der Rahmenbedingungen ist. Dadurch werden die Ergebnisse sehr belastbar.

    Was sind Kernannahmen und -ergebnisse?: Die Kernannahmen sind konservativ: Die Schweiz entwickelt sich insgesamt sehr ähnlich wie bisher, die Bevölkerung wächst auf gut 10 Millionen Einwohner bis zum Jahr 2050 die Wirtschaft wächst weiterhin moderat und stabil, die Branchenstruktur verändert sich langsam entsprechend dem Trend der letzten Jahre. Entsprechend wächst auch der Wohlstand, gemessen in BIP/Kopf, der sich auch z.B. durch weiterhin moderat steigende Wohnflächen pro Kopf und einen weiterhin hohen Mobilitätsbedarf abbildet.

    Auch die Technologieannahmen sind konservativ: Es wird von heute bekannten und erprobten Technologien ausgegangen, die sich im Rahmen der bisher beobachteten Trends weiterentwickeln. Disruptive Entwicklungen bisher unbekannter Technologien oder das Auftreten unerwarteter «Game-Changer» werden nicht unterstellt. Ausserdem wird davon ausgegangen, dass die Schweiz weiterhin stark in die europäischen Märkte und die Weltmärkte eingebunden bleibt. Dies gilt auch für die Energie(träger-)märkte: So wie heutzutage fossile Energieträger (Rohölprodukte und Erdgas) importiert werden, so werden auch künftig – wenn auch in sehr viel geringerem Masse – neue strombasierte treibhausgasneutrale Energieträger importiert werden, die in anderen Weltregionen kostengünstiger als in der Schweiz produziert werden können. Auch gewisse Mengen an Bioenergieträgern werden importiert, wenn auch deutlich weniger als in der Schweiz produziert werden. 

    Ebenso am Strommarkt: Die bisherige Funktion als «Stromdrehscheibe in Europa» bleibt erhalten, wenn auch in veränderter Form und verändertem Umfang. Aufgrund der bisherigen Entwicklungen bei der Umsetzung von Windenergie- und Geothermieanlagen wurden von diesen beiden Erzeugungstechnologien nur sehr geringe Beiträge unterstellt, die Hauptlast der neuen Erzeugung trägt die Photovoltaik. Nicht vermeidbare fossile Restemissionen müssen abgeschieden (CCS) oder mit so genannten «Negativ-Emissions-Technologien» (NET) kompensiert werden.

    Die Kernergebnisse zeigen, dass eine solchermassen aufgestellte «Konservative Schweiz» mit vergleichsweise konservativer Technologieentwicklung bis 2050 klimaneutral werden kann, und das mit tragbaren Kosten. Dennoch bedeutet die Entwicklung zur Klimaneutralität eine umfassende Transformation, bei der insbesondere die Infrastruktur starke Veränderungen erfährt. Vor allem die Fern- und Nahwärmenetze müssen schnell ausgebaut werden, damit hier keine Hemmnisse für den rechtzeitigen Umstieg auf klimaneutrale Wärmeversorgung entstehen.

    Die Energieeffizienz spielt eine sehr grosse Rolle bei der Transformation – praktisch alle Potenziale werden aktiviert und zu einem grossen Teil ausgeschöpft. Dies gilt insbesondere für die energetische Qualität von Gebäudehüllen, aber auch von Lüftungs- und Kühlungsanlagen sowie Produktionsprozessen, sowohl bei der Prozesswärme als auch bei mechanischen Anwendungen. Die Raumwärmeversorgung wird vor allem mit Wärmepumpen sowie – in den dichter besiedelten Gebieten – mit Fern- und Nahwärmebereit gestellt. Die Fernwärme bietet die Möglichkeit, Abwärmepotenziale sowie Niedertemperaturquellen wie Seen energetisch zu nutzen.

    Der Personenverkehr wird praktisch vollständig elektrifiziert, der Schwerverkehr wird mit Elektrizität, Wasserstoff und strombasierten Energieträgern betrieben.

    Die Schweiz hat mit ihrem grossen «Park» an Speicherwasserkraftwerken ein grosses Plus an Flexibilität, das beim Umbau auf eine Stromversorgung mit erneuerbaren Energien eine grosse Stärke darstellt. Da die künftige Stromversorgung neben der Wasserkraft vor allem auf Photovoltaik beruht, ist eine gute Einbindung in den europäischen Markt, und insbesondere eine gute Verbindung mit den Märkten der Nachbarländer, sinnvoll, um einen Ausgleich zwischen der Schweizer Photovoltaik und den deutschen, französischen und italienischen Windenergieproduktionsmengen zu ermöglichen. Auch die dann mögliche Nutzung von Backup-Kapazitäten zu unterschiedlichen Zeiten – da die Erzeugungsprofile der erneuerbaren Energieträger in den unterschiedlichen Ländern zeitlich verschoben sind – macht das Stromsystem insgesamt effizient und robust. Allerdings würde mehr Stromproduktion aus Windenergie und Geothermie das Schweizer System entlasten und noch stabiler machen. Auch die «neuen Stromnachfrager» wie Elektrofahrzeuge und Wärmepumpen sowie Batterien z.B. bei PV-Heimspeicheranlagen bieten interessante Flexibilitätspotenziale mit wichtigen, einander ergänzenden Eigenschaften, die den stabilen Betrieb des neuen Elektrizitätssystems unterstützen.

    Wasserstoff wird vor allem im Schwerverkehr eingesetzt. Ein Teil des benötigten Wasserstoffs kann mittels Elektrolyse in der Schweiz erzeugt werden, und trägt zur Flexibilität im Stromsystem bei. Langfristig wird der grössere Anteil des Verbrauchs importiert aus Regionen, in denen die Produktionsbedingungen deutlich kostengünstiger sind. Auch die für den Flugverkehr erforderlichen Mengen an strombasierten Treibstoffen werden importiert.

    Die begrenzten Biomassepotenziale werden vor allem für die Prozesswärmeerzeugung in der Industrie eingesetzt, zur Spitzenlastabdeckung in Wärmenetzen sowie teilweise auch im Schwerverkehr. Die Biomasse spielt eine wichtige Rolle bei der Erzeugung von «negativen Emissionen» (BECCS). Diese sind erforderlich, um die Restemissionen aus der Landwirtschaft, der Abfallwirtschaft und industriellen Prozessen zu kompensieren. Hier wird langfristig ein Anschluss an die europäische Infrastruktur erforderlich.

    Was wurde nicht unterstellt und untersucht? Wie oben dargestellt, wurde der Weg einer konservativen Schweiz mit konservativen Technologien zur Klimaneutralität untersucht, gelöst und dargestellt. Nicht unterstellt wurde eine radikale und gegebenenfalls disruptive Veränderung der Wirtschaftsstruktur, wie sie beispielsweise mit einer Suffizienzstrategie entstehen würde. Der Grund dafür ist zweifach methodisch: Es gibt bislang keine konsistent ökonomisch-sozial durchgerechnete «Suffizienzwelt» mit deutlich reduziertem Konsum, in der Folge reduzierter Produktion und erwartbaren, aber bislang nicht quantifizierten Auswirkungen auf Wertschöpfung, Löhne, Steuern und daraus folgend reduzierter Infrastruktur, reduzierten Bildungs- und Gesundheitsbudgets, was als ökonomische Ausgangswelt untersucht werden könnte. Zum anderen zeigt sich durch die vorliegenden Ergebnisse der Szenarien, dass auch eine konservative Schweiz mit konservativen Methoden klimaneutral werden kann. Eine Reduktion der Raumtemperaturen im Winter würde zwar kurzfristig Emissionen im kleinen einstelligen Prozentbereich reduzieren – die Gebäude müssen aber dennoch energetisch auf einen hohen Stand gebracht und die Wärmeversorgung de-fossilisiert werden. Suffizienzstrategien müssten bei Szenarienrechnungen systematisch nur dann eingeführt werden, wenn das Ziel mit bekannten (konservativen oder innovativeren) Technologien nicht erreichbar wäre. Selbst dann wäre die Zielerreichung aber fraglich, denn die kritischen Emittenten (wie Zementindustrie, Abfall) würden weiterhin eine Herausforderung bleiben.

    Ebenfalls nicht untersucht wurde eine verstärkte Kreislaufwirtschaft, oder im umfassenden Sinne «Circular Economy». Die aktuellen Recyclingraten, die in der derzeitigen Wirtschaftsstruktur versteckt sind, wurden implizit mitberücksichtigt. Mehr ist leider derzeit ebenfalls wieder aus methodischen Gründen nicht möglich: Es gibt noch keine plausibel und konsistent quantifizierbare Grundlage für eine solche Wirtschaft, auch wenn das Konzept bestechend ist. Es ist zu erwarten, dass in einer Welt auf dem Weg zu Klimaneutralität und Nachhaltigkeit auch mehr Rohstoffeffizienz umgesetzt wird, was auch einerseits zu neuen Marktakteuren, andererseits zu einer insgesamt effizienteren und produktiveren Wirtschaft führen sollte. Insofern sind die Ergebnisse der aktuellen Energieperspektiven als «Obergrenze der Herausforderungen» anzusehen. Die Untersuchungen sind auf die technisch-ökonomische Seite des Energiesystems in dem entsprechenden Bilanzrahmen der internationalen Bilanzierungskonventionen begrenzt.

    Nicht untersucht wurden mögliche erforderliche politische Strategien oder Instrumentenbündel, um die abgebildete technische Transformation zu erreichen. Grundlagen hierzu werden in anderen Forschungsprojekten erarbeitet. Die konkrete Aushandlung von Anreiz- und Verteilungsinstrumenten ist und bleibt das «Kerngeschäft» des politischen Diskursprozesses. In den Energieperspektiven wurden die erforderlichen Investitionen in den einzelnen Sektoren und Verwendungszwecken ermittelt. Nicht ermittelt wurde der Bedarf an Fachkräften, um die Umsetzung der Transformation aufzugleisen.

    Was sollte in der Folge angegangen werden? Sinnvoll wäre es, die Themen «Energietransformation» und «Circular Economy» stärker miteinander zu verknüpfen. Durch mehr Stoffkreisläufe (und Ressourceneffizienz) entsteht auch ein energieeffizienteres Produzieren, da insbesondere weniger energieintensive Grundstoffe produziert werden müssen. Diese werden allerdings praktisch nicht mehr in der Schweiz erzeugt. Hier ist noch Einiges an wissenschaftlicher Grundlagenarbeit zu leisten, da eine konsequente «Circular Economy» die Verflechtungen und Bezüge zwischen allen Wirtschaftszweigen und Akteuren, Wertschöpfung, Beschäftigung und Geschäftsmodellen verändern wird.

    Für die Umsetzung unmittelbar wichtig ist die Frage der benötigten und vorhandenen Fachkräfte und perspektivisch der Strategien, um sie auszubilden und zu sichern. Hier wären ebenfalls tiefgehende Untersuchungen nach Tätigkeitsprofilen und Ausbildungserfordernissen erforderlich.

    Als Grundlage für die Instrumentendiskussion laufen derzeit einige Forschungsprojekte.

    Dr. Almut Kirchner, Direktor und Partner bei Prognos, strategische Leitung Energieperspektiven

    Quelle: Energeiaplus - das Energiemagazzin des Bundesamts für Energie BfE

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  14. Immer mehr Geld für Grosswasser-Kraftwerke

    In der Schweiz können seit 2018 Investitionsbeiträge für neue Grosswasserkraftwerke sowie für wesentliche Erweiterungen oder Erneuerungen solcher Anlagen beantragt werden. Das Bundesamt für Energie (BFE) hat die eingegangenen Gesuche geprüft und drei Projekten Investitionsbeiträge von insgesamt 45.4 Millionen Franken zugesprochen. Die zur Verfügung stehenden Mittel werden damit nicht ausgeschöpft. Hingegen wurden das mögliche Maximum bei den Marktprämien von 150 Mio. Fr. ausbezahlt. 

    Für die Investitionsbeiträge für Grosswasserkraftwerke stehen jährlich rund 50 Millionen Franken zur Verfügung (siehe Kasten). Diese Mittel werden im Zweijahresrhythmus zugeteilt. Zum zweiten Stichtag vom 31. August 2020 sind zwei Anträge eingegangen. Ein weiteres Gesuch vom ersten Stichtag 30. Juni 2018 hatte das BFE ursprünglich abgelehnt. Nach einem Bundesgerichtsentscheid wurde es nun neu beurteilt.

    Nach Prüfung der Gesuche sind die Erweiterungs- und Erneuerungsprojekte von drei Grosswasserkraftanlagen anspruchsberechtigt. Es handelt sich um die Projekte Handeck 2B und Spitallamm der Kraftwerke Oberhasli AG sowie um das Projekt Vissoie der Forces motrices de la Gougra SA. Die gesamthaft zugesicherte Beitragssumme beträgt 45.4 Millionen Franken, was durchschnittlich 26% der anrechenbaren Investitionskosten entspricht.

    Seit dem Inkrafttreten des revidierten Energiegesetzes am 1. Januar 2018 werden neue sowie wesentlich zu erweiternde oder zu erneuernde Grosswasserkraftanlagen (Anlagen mit einer mechanischen Bruttoleistung von mehr als 10 MW) mit Investitionsbeiträgen gefördert. Der Investitionsbeitrag beträgt für Neuanlagen und erhebliche Erweiterungen maximal 40% und für erhebliche Erneuerungen maximal 20% der anrechenbaren Investitionskosten. Für die Investitionsbeiträge für Grosswasserkraftwerke stehen jährlich rund 50 Millionen Franken aus dem Netzzuschlagsfonds zur Verfügung. Dieser wird durch den Netzzuschlag finanziert, den die Verbraucher pro konsumierte Kilowattstunde bezahlen. Der Netzzuschlag liegt seit 2018 bei 2.3 Rp./kWh. Neben den Investitionsbeiträgen für die Grosswasserkraft, für die 0.1 Rp./kWh reserviert sind, werden aus dem Netzzuschlag unter anderem auch das Einspeisevergütungssystem, die Einmalvergütungen oder die Investitionsbeiträge für Kleinwasserkraftanlagen finanziert.

    Das Förderinstrument Investitionsbeiträge ist bis 2030 befristet. Um Investitionsbeiträge für Grosswasserkraftwerke zu beantragen, muss jeweils bis zum Stichtag ein Gesuch mit allen erforderlichen Unterlagen beim BFE eingereicht werden. Gesuche können erst eingereicht werden, wenn eine rechtskräftige Baubewilligung vorliegt oder die Baureife nachgewiesen ist. Das BFE ist für den Vollzug zuständig und wird dabei von der Arbeitsgemeinschaft ARGE IB unter der Federführung der energiebüro AG unterstützt.

    Und dann noch dies: Gemäss geltendem Energiegesetz können Betreiber und Eigentümer von Schweizer Grosswasserkraftwerken in den Jahren 2018 bis 2022 zusätzlich eine Marktprämie für ihren produzierten Strom beantragen, den sie am Markt nachweislich unter den Gestehungskosten absetzen mussten. Die Marktprämie beträgt maximal 1 Rappen pro Kilowattstunde produzierter Energie. Das Bundesamt für Energie (BFE) hat die eingegangenen Gesuche geprüft. Die Marktprämien 2021 (für das Geschäftsjahr 2020) gehen an 30 Empfänger. Die Fördersumme beträgt insgesamt rund 155 Millionen Franken für rund 19 Milliarden Kilowattstunden oder rund 47% der Schweizer Landeserzeugung aus Wasserkraft im Jahr 2020. Damit werden die für die Marktprämie zur Verfügung stehenden Mittel in diesem Jahr vollständig ausgeschöpft. Im letzten Jahr wurden für das Geschäftsjahr 2019 rund 84 Millionen Franken an 23 Empfänger ausbezahlt. 

    Quellen:

    - Medienmitteilung Bundesamt für Energie zu Investitionsbeiträgen an Grosswasserkraft

    - Medienmitteilung Bundesamt für Energie zu Marktprämien für Grosswasserkraft

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  15. Aqua-Photovoltaik in galaktischem Ausmass

    Die Technologie gehört zu den neueren Errungenschaften der Solarwirtschaft: Neben angepassten Anlagen über landwirtschaftlich genutzter Fläche kommt jetzt die Photovoltaik in grossem Stil auf dem Wasser. Ob es jeweils derart gigantische Anlagen wie in China sein müssen, sei dahin gestellt (Kapazität entspricht ungefähr dem gesamten Zubau der Schweiz in einem Jahr). Aber das Beispiel zeigt zweierlei: Die solartechnologische Entwicklung ist längst nicht am Ende der Fahnenstange angelangt - und China macht gehörig vorwärts, vor allem mit Erneuerbaren Energien und nicht etwa mit nuklearen, auch wenn einige AKW in Bau sind.




    Die Luftaufnahmen von Mitte Dezember zeigen verschiedene Aspekte der 550 Megawatt-Solaranlage in Wenzhou, einer östlichen Provinz in China. Die Anlage bedeckt rund 4,7 Quadratkilometer Wasserfläche und wurde in diesen Tagen ans Stromnetz angeschlossen. Das Projekt umfasst auch Einrichtungen für die Fischzucht (Quelle: Agentur Xinhua).

    Quelle: World-Energy

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  16. Skeptikern zum Trotz - Energiewende auf Kurs

    Die Energiestrategie 2050 hat eine erste Wegmarke erreicht: Die Schweiz erfüllt die im Energiegesetz für das Jahr 2020 verankerten Richtwerte für die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien sowie die Richtwerte zur Strom- und Energieeffizienz. Das zeigt der am Mittwoch publizierte vierte Monitoringbericht des Bundesamts für Energie (BFE). Auf dem Weg zu einer klimaneutralen Energieversorgung bis 2050 braucht es aber weitere Anstrengungen.

    Die Energiestrategie 2050 sieht den schrittweisen Umbau des Energiesystems vor. Im heutigen Energiegesetz sind dazu Richtwerte für die Jahre 2020 und 2035 enthalten. Diese betreffen den Ausbau der erneuerbaren Energien und der Wasserkraft sowie die Senkung des Energie- und Stromverbrauchs. Das Monitoring beobachtet deren Entwicklung sowie weitere Aspekte. Der vierte jährliche Monitoringbericht zeigt die Situation per Ende 2020.

    Stromproduktion aus erneuerbaren Energien (ohne Wasserkraft): 2020 lag die erneuerbare Stromproduktion bei 4'712 Gigawattstunden (GWh) oder 7,2% der gesamten Netto-Elektrizitätsproduktion. Damit ist der im geltenden Energiegesetz verankerte Richtwert 2020 (4'400 GWh) erreicht. Der Ausbau erfolgt nicht bei allen erneuerbaren Stromproduktionstechnologien im gleichen Tempo. Seit 2010 hat die Photovoltaik (PV) absolut gesehen am stärksten zugelegt. Die Schweiz lag im letzten Jahr mit dem Zubau pro Kopf im europäischen Vergleich auf dem fünften Rang. Der Zubau erfolgte deutlich stärker als zum Beispiel in Italien, Frankreich und Österreich. Die Ende 2020 installierte Leistung erzeugt rund 5% des Schweizer Stromverbrauchs. Das entspricht in etwa der Jahresproduktion des inzwischen abgeschalteten Kernkraftwerks Mühleberg. Photovoltaik leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit.

    Um den geltenden Richtwert 2035 für die gesamte erneuerbare Stromproduktion zu erreichen (11‘400 GWh), braucht es einen Nettozuwachs von durchschnittlich rund 450 GWh pro Jahr. Der Bundesrat hat im Juni 2021 die Botschaft zum «Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien» ans Parlament überwiesen. Dieses verlängert die Förderung für erneuerbare Energien, gestaltet diese wettbewerblich aus und sieht teils höhere Beträge für neue Anlagen vor. Zur langfristigen Stärkung der Versorgungssicherheit im Winter schlägt der Bundesrat zudem vor, Speicherkraftwerke zu finanzieren und eine Energiereserve vorzusehen. Ausserdem sollen für 2035 und 2050 verbindliche Zielwerte festgelegt werden. Diese orientieren sich an den Energieperspektiven 2050+ und am Netto-Null-Klimaziel bis 2050. Der Zielwert 2035 für den Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion (ohne Wasserkraft) läge demnach mit 17'000 GWh deutlich höher als der bisherige Richtwert (11'400 GWh). Um ihn zu erreichen, bräuchte es einen Nettozuwachs von durchschnittlich rund 820 GWh pro Jahr.

    Stromproduktion aus Wasserkraft: 2020 lag die mittlere Netto-Produktionserwartung bei 36‘275 GWh. Der Richtwert 2035 beträgt 37‘400 GWh (kein Richtwert 2020 im Gesetz). Von 2011 bis 2035 wird ein Nettozuwachs von rund 2'000 GWh angestrebt. Davon waren 2020 rund 45% erreicht. Um den Richtwert 2035 zu erreichen, braucht es in den kommenden Jahren einen Nettozuwachs von durchschnittlich 70 GWh pro Jahr. Im «Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien» bleibt der Zielwert 2035 für die Wasserkraft unverändert bei 37'400 GWh. Für 2050 liegt er bei mindestens 38'600 GWh.

     

    Endenergieverbrauch pro Kopf: Er hat seit 2000 abgenommen. 2020 lag er 23,7% unter dem Basisjahr 2000, witterungsbereinigt beträgt der Rückgang 20,8%. Damit wurde der Richtwert 2020 (-16%) erreicht. Dies war bereits in den letzten drei Jahren vor der Covid-19-Pandemie der Fall. Der Richtwert 2020 wäre daher mit grosser Wahrscheinlichkeit auch ohne den pandemiebedingten Verbrauchsrückgang erreicht worden. Um den Richtwert 2035 (-43%) zu erreichen, muss der witterungsbereinigte Endenergieverbrauch pro Kopf künftig um durchschnittlich 2,2% pro Jahr sinken. Im «Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien» bleibt der Zielwert 2035 für den Endenergieverbrauch pro Kopf unverändert bei -43%. Für 2050 liegt er bei -53%.

     

    Stromverbrauch pro Kopf: Dieser nahm bis 2006 zu, seither ist der Trend rückläufig. 2020 lag er 11,3% unter dem Wert von 2000, witterungsbereinigt betrug der Rückgang 10,4%. Auch hier ist der Richtwert 2020 (-3%) bereits erreicht. Dies wäre mit grosser Wahrscheinlichkeit auch ohne den pandemiebedingten Verbrauchsrückgang der Fall gewesen: Seit 2015 liegt der Stromverbrauch pro Kopf unter dem Richtwert für 2020. Um den Richtwert 2035 (-13%) zu erreichen, muss sich die Stromeffizienz weiter deutlich verbessern, damit mittelfristig der Anstieg des Stromverbrauchs, hauptsächlich bedingt durch die steigende Anzahl Elektroautos und Wärmepumpen, kompensiert werden kann. Im «Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien» bleibt der Zielwert 2035 für den Stromverbrauch pro Kopf unverändert bei -13%. Für 2050 liegt er bei -5%. Dieser Wert trägt der Tatsache Rechnung, dass die Stromnachfrage durch die für das Netto-Null-Klimaziel 2050 notwendige Dekarbonisierung bis 2050 ansteigen wird.

     

    45 Indikatoren in 7 Themenfeldern: Der ausführliche Monitoring-Bericht enthält insgesamt rund 45 Indikatoren und deskriptive Teile in sieben Themenfeldern: Energieverbrauch und -produktion, Netzentwicklung, Versorgungssicherheit, Ausgaben und Preise, energiebedingte CO2-Emissionen, Forschung und Technologie sowie Internationales. Die wichtigsten Indikatoren gibt es auch in einer Kurzfassung. Beide Berichte sind im Internet verfügbar (www.energiemonitoring.ch).

    Rechtliche Grundlage für das Monitoring: Art. 55ff Energiegesetz, Art. 69ff Energieverordnung sowie Art. 74a Kernenergiegesetz.

    Herausgeber: Bundesamt für Energie http://www.bfe.admin.ch

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  17. Unter Bedingungen für PV-Freiflächen in Alpen

    Alpine Wintersportorte bieten Platz für Photovoltaik-Freiflächenanlagen und diese Anlagen können ein wichtiges Element der Energiewende darstellen. In diesen Höhenlagen ist mit hohen Jahreserträgen, einem hohen Winterstromanteil sowie bestehenden Netzanbindungen zu rechnen. Photovoltaikanlagen in die Landschaft zubauen bedeutet jedoch auch, dass sich die Wahrnehmung der Landschaft verändert. Wie reagiert die Bevölkerung auf Photovoltaik-Freiflächenanlagen neben Skipisten? Wie können Wintersportorte ihre energetische Entwicklung mit PV-Freiflächenanlagen vorantreiben, sodass die Projekte auf Zustimmung stossen?

    In einer repräsentativen Umfrage hat die Forschungsgruppe Erneuerbare Energien an der ZHAW 1’228 Teilnehmende zu diesem Thema befragt. Mittels einem diskretem Entscheidungsexperiment hat die Forschungsgruppe die Präferenz der deutschsprachigen Schweizer Bevölkerung für Photovoltaik-Freiflächenanlagen in Wintersportorten untersucht. Die Methode des diskreten Entscheidungsexperiments orientiert sich an realen Entscheidungssituationen: Befragte wählen aus verschiedenen (Handlungs-)Alternativen diejenige aus, die sie bevorzugen. Die von EnergieSchweiz unterstützte Studie zeigte auf, dass die Teilnehmenden einen Wintersportort mit wenigen Photovoltaik-Freiflächenanlagen gegenüber einem Ort mit vielen Anlagen bevorzugen. Gleichzeitig konnte festgestellt werden, dass der visuelle Aspekt – das veränderte Landschaftsbild – nicht der wichtigste Faktor in der Beurteilung von alpinen Wintersportorten mit Photovoltaikanlagen darstellt. Die Bevölkerung beurteilt den Einsatz von 100% regionaler erneuerbarer Energie verbunden mit einem umfassenden Umweltprogramm eines Wintersportorts als wichtiger.

    Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass es sich lohnt, bei der Planung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen in Wintersportorten die folgenden Faktoren zu berücksichtigen:

    1. Die Realisierung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen muss in einem übergeordneten Energiekonzept und Umweltprogramm des Wintersportorts eingebettet werden.
    2. Die Dimension (Anzahl und Grösse) sowie Gestaltung (Abstände der Panels) muss verständlich begründet werden.
    3. Der Betrieb der Photovoltaik-Freiflächenanlage soll durch einen lokalen Betreiber sichergestellt werden (verantwortet die finanziellen Erträge sowie Risiken und speist die Energie in das Netz ein).
    4. Nicht nur lokale Unternehmen in das Projekt einbinden (lokales Gewerbe und Vertreter des Tourismus), sondern auch Organisationen, die tendenziell die Aussensicht einbringen (z.B. Verein Zweitwohnungsbesitzer, NGOs).

    Zusammenfassung der Studie.

     Autoren: Andrea Beerli und Prof. Jürg Rohrer

    ZHAW Life Sciences und Facility Management

    Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen

    Quelle: energeiaplus.com Wieland Hintz, Erneuerbare Energien, BFE

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  18. Crowdfunding für das Solarfaltdach Horizon

    Anfang Dezember startete das Crowdinvesting-Kampagne für das Solarfaltdach Horizon. Die Gründer und Geschäftsführer dazu:   «Wir wollen Jede und Jeden für unser Projekt begeistern und zum Miteigentümer machen von der innovativen Energielösung des Solarfaltdachs. Wir wollen zudem eine neue, grössere Community von Solarfaltdach-Botschaftern aufbauen.»  

    Bis zum 12. Dezember 2021 gilt ein Early-Bird-Preis von CHF 40/Anteil (dann CHF 50).
    • Weltweit einzigartige Energielösung mit Patentschutz für Infrastrukturen
    • Einzige Photovoltaiklösung für echte Doppelnutzung von asphaltierten Flächen
    • Perfektes Zusammenspiel mit Elektromobilität, produziert den Treibstoff der Zukunft vor Ort
    • 12 Projekte in der Schweiz ausgeliefert und 3 Projekte nach Deutschland verkauft, Nachfrage aus Europa, USA und Asien
    • 8.5 Mio. Umsatz im 2020
    • Zertifiziert nach ISO 9001 und 14001 
    • Link:  www.conda.ch/kampagne/solarfaltdach-horizon/

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  19. Edisun Power stellt (fast) alles auf den Kopf
    Mit Blick auf das dynamische Marktumfeld haben die Verwaltungsräte des Schweizer Solarunternehmens Edisun Power Europe AG («EDISUN») und der privat gehaltenen Schweizer Smartenergy-Gruppe («Smartenergy») die Vertiefung der bereits seit mehreren Jahren bestehenden strategischen Partnerschaft beschlossen. Dazu die Medienmitteilung des Unternehmens im Wortlaut.

    Eine der bisherigen Edisun-
    Anlagen  -  Mogadouro (49.9 MW in P).

    EDISUN erwirbt von Smartenergy eine Projekt-Pipeline von insgesamt 17 Photovoltaik Projekten in Spanien, Portugal und Italien mit einer geplanten Leistung von insgesamt 703 MW. Die Projekte befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Der Erwerb ermöglicht der EDISUN einen markanten, kontinuierlichen und kontrollierten Ausbau ihres heutigen Portfolios unter Berücksichtigung der Marktopportunitäten und der verfügbaren finanziellen und operativen Ressourcen. Die Grundsätze des Portfolio-Zukaufs wurden an der VR-Sitzung von Donnerstag vereinbart und beschlossen. Die vertragliche Umsetzung erfolgt bis Ende 2021.

    Zugang zu operativen Managementressourcen vor Ort: Als strategischer Partner von EDISUN gewährleistet Smartenergy die Realisierung des verkauften Projektportfolios wie auch den Betrieb der fertig erstellten Anlagen. Die lokal verankerten Smartenergy-Einheiten zeichnen für die Projektentwicklung, die Baubegleitung und das Asset Management der in Betrieb genommenen Anlagen verantwortlich. EDISUN erhält überdies Zugang zum Investoren-Netzwerk von Smartenergy, was eine dynamische Bewirtschaftung des EDISUN Portfolios mittels pro-aktivem Kauf und Verkauf von Projekten und Anlagen ermöglicht. Damit wird die Basis für eine Steigerung der Ertragskraft und des Dividendenpotentials gelegt.

    Stärkung der Marktkapitalisierung: Die Finanzierung der Transaktion erfolgt analog zu früheren Transaktionen aus einer Kombination aus Barabgeltung und einer Abgeltung in Aktien im Rahmen einer ordentlichen Kapitalerhöhung. Damit soll gleichzeitig die Marktkapitalisierung der EDISUN und die Attraktivität der Aktie im Markt weiter gesteigert werden. Wie schon 2019 erklärt sich Smartenergy im Zuge einer Kapitalerhöhung unter Wahrung der Bezugsrechte aller Aktionäre bereit, sich allfällig nicht ausgeübte Bezugsrechte zuweisen zu lassen, sowie zusätzliche Ankeraktionäre zu gewinnen. Der entsprechende Antrag des Verwaltungsrates an die EDISUN-Aktionäre wird spätestens an der ordentlichen Generalversammlung im April 2022 zur Abstimmung vorgelegt.

    Anpassung der Organisation: Im Rahmen der strategischen Neuausrichtung hat der Verwaltungsrat der EDISUN beschlossen, die Funktion des CEO aufzuheben und das Arbeitsverhältnis mit dem heutigen CEO Rainer Isenrich (siehe Bild) aufzulösen. Er übergibt die Führung des Unternehmens an den Verwaltungsratspräsidenten Horst Mahmoudi, der EDISUN als Delegierter des Verwaltungsrates durch diese Phase führen wird. Rainer Isenrich trat per 9.12.2021 aus dem Verwaltungsrat der EDISUN aus, wird aber der Smartenergy in Zukunft für den Betrieb und die Verwaltung der bestehenden sowie der neuen Anlagen zur Verfügung stehen.

    Rainer Isenrich hat die strategische Zusammenarbeit mit Smartenergy ganz wesentlich geprägt und mitgestaltet. Rainer Isenrich dazu: «Ich freue mich, dass es uns durch die Vertiefung der Partnerschaft mit Smartenergy gelungen ist, die Grundlagen für einen nächsten grossen Wachstumsschritt und eine langfristige Stärkung der Ertragskraft des Unternehmens zu legen. Für mich ist es der richtige Moment, die Führung der Firma in jüngere Hände zu legen, mich aus der operativen Führung zurückzuziehen und aus dem Verwaltungsrat des Unternehmens auszuscheiden.» Rainer Isenrich hat die Führung der EDISUN 2012 übernommen. Er führte EDISUN aus einer schwierigen Lage mit einem bescheidenen Portfolio von damals 23 MW zu einem erfolgreichen europäischen Solarstromproduzenten mit einem Portfolio von über 240 MW. Der Verwaltungsrat dankt Rainer Isenrich für seine ausgezeichneten Leistungen während der vergangenen knapp zehn Jahren für das Unternehmen und seine Aktionäre.

    Baufortschritt der portugiesischen Anlagen während COVID-19:  Die jüngsten Solar-Projekte in Portugal schreiten trotz anhaltender Pandemie weiter voran: «Mogadouro» (49.9 MWp - siehe Bild oben) konnte am Netz angeschlossen werden und zeigt eine sehr gute Perfomance; «Betty» (23 MWp) befindet sich aktuell im Bau und soll bis Ende Q2/2022 angeschlossen werden; «Poceirao» (49.4 MWp), «Quinta da Seixa» (33.8 MWp) und «Sabugueiro» (49.4 MWp) werden sequenziell folgen. Die gestaffelte Abfolge in der Errichtung der genannten Solar-Projekte hat u.a. den Vorteil, dass EDISUN möglichen Unterbrüchen in den weltweiten Lieferketten besser begegnen kann. Im Sinne der Prävention wurden die Anschlussfristen der Produktionslizenzen bereits verlängert. Die zeitlich abgestufte Fertigstellung der Anlagen in einem weiterhin anspruchsvollen COVID-19-Umfeld wird bis Ende 2023 erwartet. Bis dahin werden die ersten der neu hinzugekommenen Projekte die Baureife erreicht haben und damit das weitere Wachstum von EDISUN sicherstellen. 

    Quelle:  edisunpower.com 

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  20. Sonne schenken: So einfach geht's

    Auf der Sunraising-Webseite füllst du das Formular für eine Quadratmeter-Bestellung im Namen der beschenkten Person aus und wählst am Ende des Formulars die Option 'Schenken' aus. Es öffnet sich das Feld für die Rechnungsadresse, das du mit deinen Daten füllen kannst. Und das war's schon: Die beschenkte Person erhält während 20 Jahren die Stromgutschrift direkt auf ihre ewb-Rechnung vergütet. So einfach und so nachhaltig!

    • Für Weihnachten stellen wir zudem eine personalisierte Geschenkurkunde aus, damit das tolle Geschenk auch physisch überreicht werden kann. 
    • Es können auch Personen beschenkt werden, die nicht in Bern wohnen. Sie können ihre Stromgutschriften dann einem Stadtberner Verein ihrer Wahl spenden. 


    Sonne spenden - nachhaltige Organisationen unterstützen! 

    Solarstrom kann seit einigen Jahren auch gespendet werden. Dies funktioniert auf zwei Arten: 
    • Direkt auf der Sunraising-Webseite kann Sonne gespendet werden. Du kannst den Betrag frei wählen und bestimmen, welchem der beiden Partner-Organisationen (Mountain Wilderness oder Blindspot) die Spende zugute kommen soll. 
    • Du möchtest einer anderen Organisation/Verein Solarstrom spenden? Dann kannst du eine Quadratmeterbestellung machen und vorgehen wie beim Schenken: Bei Stromempfänger:in gibst du die Kontaktadressen der Organisation ein und als Rechnungsadresse deine Kontaktinformationen. 

    Bei Fragen helfen wir dir selbstverständlich weiter. Schick uns eine Mail! 

    Quelle: sunraising.ch

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  21. Verbände: Solarstrom einfacher vergüten!
    Die Höhe der Vergütung von Solarstrom ist heute ein bunter Flickenteppich. Das Kalkulieren der Preise ist nicht nur für die Verteilnetzbetreibenden ein grosser und vermeidbarer Aufwand, sondern die unterschiedlichen Vergütungen auch Ärgernis für viele PV-Anlagenbetreibende. Ein neues Konzept vom Verband unabhängiger Energieerzeuger VESE, einer Fachgruppe der SSES, schlägt vor, den Solarstrom über eine zentrale Stelle zu vergüten. Dies würde den administrativen Aufwand verringern und faire sowie stabile Tarife garantieren. Damit wird die Investitionssicherheit in Solarenergie und gleichzeitig der dringend notwendige Ausbau gestärkt.

    Anlagenbetreibende fair behandeln und damit den Ausbau vorantreiben: Das Konzept “Zentrale Vergütung Solarstrom” schlägt vor, dass die Vergütung des Solarstroms nicht wie bis anhin über den Verteilnetzbetreiber, sondern über eine zentrale Stelle über den Herkunftsnachweis erfolgt. Die Anlagebetreibenden sollen frei wählen können, ob sie ihren Strom über diese zentrale Stelle absetzen oder am freien Markt. Der Betrag, den die zentrale Stelle über den HKN ausrichtet, wird gemäss Konzept jährlich festgelegt. Er bleibt dann für den einzelnen Anlagenbetreiber für eine bestimmte Zeit stabil. Damit wird das Investitionsrisiko abgefedert und der notwendige Zubau von Solarstrom vorangetrieben; insbesondere sind so auch grosse Produktionsanlagen wieder möglich und die Problematik der “teilbelegten Dachflächen” wird entschärft. VESE ist nicht der Meinung, damit das Ei des Kolumbus gefunden zu haben. Vielmehr wünscht sich der Verband, dass dieses Konzept zusammen mit anderen Konzepten wie der gleitenden Marktprämie oder der Versicherungslösung geprüft werden – mit dem Ziel, das sowohl für die Energiewende als auch für die Volkswirtschaft beste Modell zu finden. Denn mit einem forcierten PV-Ausbau könnte auch einer allfälligen Strommangellage entgegengewirkt werden, wie diese Fragen und Antworten zur Thematik erläutern.

    Verteilnetzbetreibende haben nur Vorteile: Für die Verteilnetzbetreibenden ergeben sich dadurch mindestens zwei Vorteile: Erstens können sie sich die jährliche Kalkulation, Abrechnung und Fakturierung des Tarifs sparen. Zweitens ist damit ein grosser PV-Anteil im Netzgebiet aus Finanzierungssicht kein Nachteil mehr. Mit der zentralen Vergütung  spielt es keine Rolle, ob in einem Verteilgebiet viel oder wenig Solarstrom produziert wird, denn der finanzielle Weiterverkauf ist für die Verteilnetzbetreiber keine Aufgabe mehr, da dieses zentral erfolgt. Damit ähnelt dieses Konzept einer Forderung des Verbands Schweizer Elektrizitätsunternehmen (VSE).

    Auch die Endverbraucherinnen und Endverbraucher haben kein Nachsehen: Mit dem vorgeschlagenen Konzept sind auch die Stromkonsumierenden im Vorteil. Ihnen wird automatisch Solarstrom-HKN im Anteil zu ihrem Stromverbrauch gutgeschrieben. Dadurch wird ein Teil ihrer Stromrechnung garantiert nicht teurer. Denn Solarstrom wird in der Tendenz günstiger. Dies zeigt auch das neue Berechnungstool von VESE, welches die Sommer-Winterproblematik ebenfalls berücksichtigt. Wie sich zeigt, fahren die Endverbraucherinnen und Endverbaucher damit sogar günstiger.

    Link zum Tool: https://www.vese.ch/minrl

    Mehr informationen

    Über VESE

    Die SSES-Fachgruppe VESE setzt sich für eine erneuerbare Energiezukunft ein, indem sie die Anliegen der Solaranlagenbesitzenden im politischenen und gesellschaftlichen Prozess wahrnimmt. . Mitglieder von VESE sind damit Solargenossenschaften sowie private und institutionelle Betreibende von Anlagen für erneuerbare Energieproduktion, vor allem Solaranlagen. Aktuelle Schwerpunktthemen sind Rückliefertarife, aber bspw auch das Monitoring der Energielandschaft anhand von spezifischen Kennzahlen. Weitere Informationen finden Sie auch auf unserer Webseite www.vese.ch.

    Quelle: VESE / SSES

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  22. Schweizer Standardstrom noch nicht auf Klimakurs

    Vergrössern mit Klick auf Graphik !

     
    Zu wenig Grün, zu viel Gelb und Rot (siehe Graphik oben): Die «Stromlandschaft Schweiz» zeigt die Schwächen des Schweizer Standardstroms auf. Ein Projekt der Klimaallianz Schweiz will Transparenz schaffen und Stromversorger dazu bewegen, ihren Strommix klimafreundlich auszurichten.
     
    «Die Nutzung von nachhaltig produziertem, erneuerbarem Strom ist ein zentrales Element der Energiestrategie 2050 und wichtig für die Bewältigung der Klimakrise», erklärt Christian Lüthi, Geschäftsleiter der Klima-Allianz Schweiz. Die rasche Umsetzung der Stromwende angesichts der sich zuspitzenden Klimakrise hat oberste Priorität. Um das zu schaffen, brauchen wir deutlich mehr neuen erneuerbaren Strom. Der nötige Zubau von Solar- und Windenergie kommt aber nur zögerlich voran, wie die «Stromlandschaft Schweiz» zeigt. Auf der interaktiven Karte unter stromlandschaft.ch können KonsumentInnen für ihre Postleitzahl die Qualität des Standardstroms ihres lokalen Anbieters anhand der Farbe sehen. Durch weiterführende Informationen sollen KonsumentInnen ermutigt werden, zu Strom zu wechseln, der die Energiewende vorantreibt – dies direkt beim Stromversorger oder über mynewenergy.ch.
     
    Nur Wasserkraft reicht nicht: Zwar besteht der Schweizer Standardstrom heute überwiegend aus Wasserkraft, als gelbe Flächen in der Stromlandschaft gezeigt. Das reicht aber nicht, denn der wegfallende Atomstrom muss mit neuen erneuerbaren Energien ersetzt werden. Dafür kommt vor allem die beliebte Solarenergie in Frage. Diese ist aber im Standardstrom stark untervertreten. «Anhand der Stromkarte wollen wir aufzeigen wo die Stromwende auf Kurs ist und wo sie an Tempo zulegen muss» erklärt dazu myNewEnergy-GL Christina Marchand.
     
    Standardstrom entwickelt sich zu langsam: Gemäss einer myNewEnergy Umfrage unter über 20 Stromversorgern sind die Wechselraten auf Grünstromprodukte im einstelligen Prozentbereich. «Der freiwillige Beitrag von engagierten KonsumentInnen ist wichtig, aber die Energiewende schaffen wir nur, wenn die Standardprodukte besser werden - im Sinne von positivem Nudging», sagt dazu Marchand. Die Untersuchung zeigt, dass die Zusammensetzung der Standardprodukte sich nicht mal an den ohnehin schon langsamen Solarausbau angepasst hat. Die Klima-Allianz Schweiz und myNewEnergy fordern deshalb einen jährlich steigenden Anteil von neuen erneuerbaren Energie in den Standardprodukten. «So können wir dauerhaft die Atomkraft ersetzen und den Beitrag zum Umbau unserer Stromversorgung auf alle Schultern verteilen», erklärt Projektleiterin Beatrice Jäggi. Gemeinsam mit Stromversorgern sollen grundlegende Strategien erarbeitet werden, wie die Transformation der Stromversorgung gelingen kann. Ein umfassender Bericht dazu soll bis Ende 2022 aktuelle Trends zum Wandel in der Stromlandschaft aufzeigen. Klar ist: Für die Energiewende müssen die grünen Flächen rasch wachsen.
     
    Trends und Wandel in der Stromlandschaft: Beim Schweizer Standard kann allgemein eine Aufwertung festgestellt werden. Doch insbesondere der Ausbau der Solarenergie geschieht nur in kleinen Schritten. Nähere Informationen lesen Sie im ausführlichen Bericht hier.
     
    Was kostet der Wechsel auf mehr Grünstrom? Der Wechsel zu Grünstrom auf mynewenergy.ch ist sehr einfach. Die Stromwende zu mehr Solarenergie oder Strom aus zertifizierte Anlagen (Label naturemade) ist schon für wenige Franken im Monat zu haben. Die Beispiele unten beziehen sich auf einen 4-Personen-Haushalt (zwei Erwachsenen und zwei Kinder) und Verbrauch von 3470 kWh / Jahr:
     
    Elektrizitätswerk der Stadt Zürich, ewz: ewz.natur (Standard: 78% Wasser) zu ewz pronatur (90% Wasser, 10% neue Erneuerbare naturemade star) Fr. 4 /Monat.
    BWK Energie: Energy Blue (Standard: 96% Wasser, 4% neuen Erneuerbare) zu Energy Green (100% Solar) Fr. 8/Monat.
    Primeo Energie: Primeo Standard (83% Wasser naturemade basic, 9% neue Erneuerbare naturemade star) zu Primeo Grün (30 % Solar, 70% Wasser naturemade star) Fr. 13/Monat.
    Centralschweizerische Kraftwerke CKW: ClassikStrom (Standard: 100% Wasser) zu Mein Regiostrom (100% Solar) Fr. 3/Monat
    Repower AG: Acquapower (Standard: 100% Wasser) zu Purepower (67% Wasser, 28% Solar naturemade star) Fr. 14/Monat.
    Romand Energy: Terre Suisse (Standard, 100% Wasser) zu Terre d’ici (50% Solar) Fr. 5 /Monat.
     
    Die Stromlandschaft Schweiz wurde erstmals im Frühjahr 2017 gemeinsam mit WWF lanciert. Die Neuauflage wird mit Klima-Allianz-Schweiz realisiert. Weitere Informationen und Bilder zum Herunterladen finden Sie
    hier.
     
    Die Klima-Allianz Schweiz (klima-allianz.ch) ist ein Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen für den Klimaschutz, zählt rund 130 Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Umwelt, Entwicklung, Kirche, Jugend, Gewerkschaften sowie Konsumentenschutz und engagiert sich für eine gerechte, zukunftsfähige Klimapolitik.
     
    myNewEnergy betreibt einen nachhaltigen und umfassenden Strom-Vergleichsdienst. Neben dem Preis wird auch die Qualität der Produkte berücksichtigt. Neben dem Vergleichsdienst setzt es als Dienstleister auch diverse Projekte im Bereich nachhaltige Energieversorgung um, wie aktuell die Stromlandschaft Schweiz. 

     

     





  23. Schutz des Klimas und Bekänpfung der Armut

     

    Andheri Hilfe | Kind Indien

    © Andheri Hilfe | andheri-hilfe.de | Der Kampf gegen die Erderhitzung muss auch soziale Entwicklung heute ermöglichen: Kind Indien

    Der Kampf gegen die Erderhitzung und das Zurückdrängen der Armut auf der Welt sind auch kurzfristig vereinbar: Für beides kann es sich lohnen, Treibhausgas-Emissionen und damit fossile Brennstoffe schnell und drastisch zu verteuern.

    Zwar zeigen häufig verwendete Rechenmodelle hier einen Zielkonflikt – doch der löst sich auf, wenn man die Rückverteilung der Einnahmen mit einbezieht. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt ein Forschungsteam des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change) und 16 weiterer wissenschaftlicher Einrichtungen in Europa, Amerika und Asien, darunter die US-Spitzenunis Princeton, Harvard und Berkeley. Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht.

    Ansatzpunkt der Untersuchung sind die etablierten Kosten-Nutzen-Modelle zu „optimaler Klimapolitik“. Demnach tragen die Einkommensärmeren von heute stets einen Teil der Lasten der Klimapolitik, etwa höhere Preise für Sprit und Heizung. Die Menschen von morgen hingegen profitieren von vermiedenen Klimaschäden. Aus diesem Zielkonflikt ergibt sich in den etablierten Modellen ein optimaler Zeitpfad, bei dem man eine bestimmte Begrenzung der Erderhitzung – bei generationenübergreifender Betrachtung und aus sozialpolitischer Sicht – am günstigsten erreicht. „Im Ergebnis haben diese Modelle quasi eine eingebaute Empfehlung gegen rasches Handeln“, sagt Simon Feindt, Doktorand in der MCC-Arbeitsgruppe Governance und Co-Autor der Studie. „Doch sie haben eine Leerstelle: Sie ignorieren, dass eine sozial ausbalancierte Klimapolitik Einkommensarme auch kurzfristig besserstellen kann.“

    Wie das geht, macht die Studie an einem einfachen Szenario deutlich: Die Welt würde die Erderhitzung auf 2 Grad begrenzen, und zwar ausschließlich über eine in allen Ländern einheitliche Steuer auf fossile Brennstoffe – und die kompletten Einnahmen jedes Landes würden als einheitliche Pro-Kopf-Zahlung an die jeweilige Bevölkerung zurückgegeben. Wie eine derartige Steuer in den jeweiligen Ländern wirkt, ermittelte das Autorenteam durch eine systematische Auswertung der entsprechenden Forschungsliteratur.

    Mit dem in der Wissenschaft häufig genutzten Rechenmodell NICE ermittelte man schließlich die Verteilungswirkung der notwendigen Steuer – sowohl mit Einnahmen-Recycling als auch ohne. Das Modell teilt die Welt in zwölf Regionen und bildet dort jeweils fünf gleich große Einkommensschichten ab. Beispielhaft für Länder mit unterschiedlicher Wirtschaftskraft hebt die Studie für dieses 2-Grad-Szenario hervor: Sowohl in den USA als auch in China und Indien ist kurzfristig, also in der Phase der raschen Dekarbonisierung, jeweils die gesamte ärmere Hälfte der Bevölkerung bessergestellt als in einer Welt ohne zusätzliche klimapolitische Anstrengungen und entsprechend höheren Klimaschäden. Die ärmsten 40 Prozent in Indien stehen sogar dauerhaft besser da. Und für den Wohlstand insgesamt ist CO2-Bepreisung mit Einnahmen-Recycling in allen Regionen besser als Business as usual.

    Wenn das 2-Grad-Ziel nicht von außen vorgeben wird, weist das Modell folgendes aus: Ohne Pro-Kopf-Rückzahlung empfiehlt sich wie zu erwarten eine zunächst nur moderate Klimapolitik, um die Armen nicht über Gebühr zu belasten – doch mit Pro-Kopf-Rückzahlung ist die optimale Lösung eine deutlich ambitioniertere Klimapolitik. Die globalen Emissionen 2030 liegen dann um rund 60 Prozent niedriger als im Business-as-usual-Szenario.

    „Reiche Haushalte verursachen mehr CO2-Emissionen, zahlen also mehr für CO2-Bepreisung, aber bekommen nur so viel zurück wie arme Haushalte“, erklärt Ulrike Kornek, Senior Researcher am MCC, Professorin für Umwelt- und Ressourcenökonomik an der Universität Kiel und eine Leitautorin der Studie. „Aus diesem Grund führt sozial ausbalancierter Klimaschutz bei einem großen Teil der Bevölkerung nicht zu weniger, sondern zu mehr Kaufkraft. Dass der soziale Frieden und die wirtschaftliche Entwicklung leiden, ist ein klassisches Gegenargument zu entschlossenem Handeln, aber es ist falsch.“

    Quellenhinweis zur zitierten Studie:

    • Budolfson, M., Dennig, F., Errickson, F., Feindt, S., Ferranna, M., Fleurbaey, M., Klenert, D., Kornek, U., Kuruc, K., Méjean, A., Peng, W., Scovronick, N., Spears, D., Wagner, F., Zuber, S., 2021, Climate action with revenue recycling has benefits for poverty, inequality, and wellbeing, Nature Climate Change
    • Ergänzender Policy Brief: https://doi.org/10.1038/s41558-021-01228-x
    Quelle: MCC (Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change) 2021

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  24. Die Replik zur Republik

    Wer  vom eingeschlagenen Weg zur Energiewende und in der Schweiz, konkret von der Energiestrategie 2050, einigermassen überzeugt ist, dem kann der Republik-Artikel «Die Sage vom sauberen Strom - 1.12.21» nicht gefallen. Nicht einmal wegen der vielen erwähnten kritischen Punkte, zu deren (teilweisen) Widerlegung im folgenden angesetzt wird. Sondern wegen einer Grundstimmung im Text, die diese Energiestrategie von vorne herein in die Ecke des Scheiterns stellt, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt > hier geht es zum umstritten Republik-Text - und nachstehend die Replik vom Solarmedia-Autor.

     

    Zuerst der Hinweis auf drei Ereignisse der jüngsten Vergangenheit, die im Republik-Artikel noch gar nicht Berücksichtigung finden (konnten): Deutschland erhält eine neue Regierung, die neben Enttäuschungen in verschiedener Hinsicht vor allem bezüglich der Energiewende Schub verspricht. Was nicht ohne Auswirkungen auf die Schweiz bleiben wird (nur schon wegen der Beschaffenheit des aus Deutschland importierten Stroms, dem fälschlicherweise immer wieder das auch heute schon nur beschränkt gültige Totschlagetikett «dreckiger Kohlestrom» verpasst wird). Die Abstimmung über die kantonalzürcher Energiepolitik zeigte Ende November sodann, dass «die Schweiz noch nicht verloren ist in klimapolitischer Hinsicht». Und gerade in dieser Woche hat eine Schweizer Delegation, angeführt von Bundesrätin Simonetta Sommaruga, am Ministertreffen des Pentalateralen Energieforums (Penta-Forum) ein Memorandum of Understanding (MoU) zur Zusammenarbeit in der Stromkrisenvorsorge mit Nachbarstaaten  unterzeichnet (siehe > hier). Diese Übereinkunft heisst zumindest: Das Problem ist auch in Bundesbern erkannt.

     

    Doch was lässt sich nun zu den im Republik-Artikel erwähnten – zum Teil vermeintlichen – Fakten sagen resp. schreiben? Hier eine Abhandlung Punkt für Punkt, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber im Verständnis, dass dabei jeweils doch über die Stränge geschlagen wird:

     

    ·       «Alles passte so gut zusammen, gäbe es nur diesen Spielverderber Stromlücke nicht». Aber stimmt das so? Nein, das stimmt ganz und gar nicht. Denn was die verschiedenen Elemente nicht zum passen bringt, ist eine Politik, die diese Stromlücke – wie der Artikel ja selbst belegt – immer wieder aufleben lässt. Ohne dazwischen zu grätschen und dieser Stromlücke den Kampf anzusagen. Nicht anders etwa ist die jüngere  Vergangenheit zu interpretieren (seit der Abstimmung 2017), in der die Notwendigkeit eines schnellen Ausbaus der Erneuerbaren nun wirklich bereits bekannt was – und doch fast nichts geschah. Der Zubau an Photovoltaik ging vielmehr in der zweiten Hälfte der 10er Jahre zurück und nahm erst 2020 wieder zu. Im vergangenen Jahr wurde diesbezüglich erstmals seit vielen Jahren wieder ein Rekordergebnis erzielt – eine fürwahr sonderbare Tatsache angesichts der anerkannten Notwendigkeit des Ausbaus der Erneuerbren Energien (und nebenbei: dieser Rekord wird 2021 nochmals deutlich übertroffen).

    ·       Dass es nur eine Saga sei, dass in der Schweiz künftig viel an Erneuerbarem Strom produziert werde, gehört in die gleiche Strickart der Argumentation. Schon früher wurde den Erneuerbaren die Existenzmöglichkeit abgesprochen – als etwa der damalige Axpo-VR Heinz Karrer in den Nullerjahren dreist behauptete, Erneuerbare könnten in der Schweiz auf alle Zeiten hinaus nie mehr als zwei bis vier Prozent der Stromproduktion erbringen.

    ·       Richtig ist, dass die Stromlücke nun in diesem Jahr wieder explizit beschworen wurde. Aber ein Schelm, wer dahinter böse Absicht vermutet – etwa die gekränkte Familiensage der Blocher’s, deren Übervater dem Kaiseraugst-Debakel einst Pate stand. Und der mit dem damaligen Verzicht vielleicht eine seiner (wenigen) grossen politischen Niederlagen eingestehen musste. Dieses AKW war damals nicht realisierbar. Aber vielleicht könnte man die Scharte ja jetzt ausmerzen. Also setzte die Tochter den Floh von dessen Unausweichlichkeit  in die Welt. Interessant in diesem Zusammenhang auch, dass ja nicht nur in der Schweiz die Unmöglichkeit neuer AKW beschworen wird, sondern dies auch in Deutschland, Spanien, Belgien, Portugal, Italien – und all den rund 160 Ländern weltweit, die nie auch nur eine Anlage hatten und auch nicht gedenken, je eine solche zu erstellen.

    ·       Die Wirklichkeit kann also gemäss Republik nicht mithalten mit der ambitionierten Rhetorik rund um die Erzeugung von sauberem Strom. Wie sollte sie auch unter den bereits geschilderten Umständen – und vor allem soll sie das ja in der Zukunft, deren Gestalten mit Verlaub noch nicht definitiv bestimmt ist. Wir haben es vielmehr noch in der Hand, ausser wir lassen uns durch dieses Gespenst Stromlücke noch mehr verunsichern als schon geschehen.

    ·       Der Republik-Artikel vergisst zu begründen, unter welchen Umständen das Gespenst jeweils auch wieder verschwand – und dafür gab es viele Gründe und wird es auch wieder viele geben: Zum Beispiel jenen, dass die europaweit beschworene Stromlücke eben vielleicht doch nicht eintreten wird – denn  die gesamten Erzeugerkapazitäten könnten bald einmal unsere Vorstellungskraft weit übertreffen: Der Ausbau der Windenergie in Schottland und Dänemark ist derart rasant, dass plötzlich zu viel Strom europaweit die Netze überfluten könnten. Und selbst wenn die EU ihren Mitgliedländern vorschreiben wird, 70% der Kapazitäten für EU-weiten Bedarf vorzuhalten, so bleiben immer noch deren 30%, die für eine Versorgung unter anderem der Schweiz in Frage kämen. Man mag es auch kaum mehr hören, aber die Schweiz ist für den Strombedarf des EU-Landes Italien derart wichtig, dass ihr wohl kaum der Saft abgestellt wird – denn das träfe dann insbesondere Italien.

    ·       Das Nein zum CO2-Gesetz ist zwar bedauerlich für die Energiestrategie – einen Zusammenhang mit der nun plötzlich auftretenden Stromlücke herbeizuschreiben, ist dennoch eine artistische Volte. Da fällt das europapolitische Argument zweifellos stärker ins Gewicht. Das heisst aber auch nur, dass sich der Bundesrat und die Schweiz als Ganzes im Verhältnis zu Europa um einen gangbaren Weg bemühen muss (was mit der jüngsten Übereinkunft zumindest ansatzweise geschieht - siehe oben), der zweifellos auch ein möglicher ist – wenn man das denn überhaupt will. Wer den stark steigenden Strompreis mit dem Auftauchen des Gespenstes Stromlücke verbindet, verkennt ökonomische Gegebenheiten. Dieser wird, wenn er denn auf hohem Niveau verbleibt, vielmehr einem anderen Phäomen zum Durchbruch verhelfen – nämlich einem rasanten Anstieg der erneuerbaren Kapazitäten. Ganz automatisch wird das auch hierzulande nicht einfach gegen die Stromlücke helfen – aber die neuen Preisrelationen bieten zumindest eine nicht unerhebliche Chance, diese auch wieder schnell vergessen zu machen. Ja man kann sogar getrost darauf hoffen und vertrauen! In diesem Sinn liesse sich der Republik-Artikel in weiteren Punkten demontieren – dem grossen Aufwand ist es geschuldet, dass dies zumindest hier nun nicht weiter geschieht.

     

    Fazit:  Die Masche der eingefleischten Wende-Kritiker*innen war und ist klar – man lege einem politischen Anliegen (hier der Energiewende) alle erdenklichen Steine in den Weg, torpediere diese über Jahrzehnte – und schreibe dann das endgültige Scheitern herbei, nachdem man es bis zum geht nicht mehr beschworen hat. Gelegentlich gelingt ein solches Taktieren – doch im Fall der fossilen und nuklearen Energie scheint (siehe Entwicklungen im Weltmassstab) das Gegenteil der Fall, auch wenn das derzeit nicht allen einleuchten mag. Ich persönlich bin als Autor von Solarmedia überzeugt, dass sogar hierzulande der Tag nicht mehr so weit entfernt ist, an dem die Erneuerbaren Energien ihren Siegeszug gegen alle Widerstände endgültig vollziehen. Es ist nur eine Frage der Zeit –  diesbezüglich bin ich für die Schweiz allerdings doch eher pessimistisch.

  25. Anreize für grössere PV-Anlagen und -Fassaden

    Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 24. November 2021 die Revision der Energieförderungsverordnung (EnFV) gutgeheissen. Mit dieser Revision wird bei der Einmalvergütung für PV-Anlagen zwar der Grundbeitrag gesenkt, im Gegenzug aber der Leistungsbeitrag ab 30 kW um 10 Franken auf 300 Franken pro kW erhöht. Für Anlagen mit Fassadenmodulen ist ein Bonus von 250 Franken pro kW auf dem Leistungsbeitrag vorgesehen.

    Fassaden-Potenzial in der Schweiz
    liegt bei rund 17 Terawattstunden
    pro Jahr (Bild vergrössern mit Klick)
    Mit der Revision wird ab 1. April 2022 bei der Einmalvergütung für Photovoltaikanlagen der Grundbeitrag von aktuell 700 Franken auf 350 Franken gesenkt. Im Gegenzug wird der Leistungsbeitrag ab 30 Kilowatt (kW) um 10 Franken auf 300 Franken pro kW erhöht. Das setzt einen Anreiz, grössere Anlagen zu bauen und dafür möglichst die gesamte geeignete Dachfläche für die Stromerzeugung zu nutzen.

    Der Leistungsbeitrag ab 100 kW wird zudem um 20 Franken auf 270 Franken pro kW gesenkt. Dies stellt sicher, dass die Einmalvergütung weiterhin höchstens 30 Prozent der Investitionskosten von Referenzanlagen ausmacht. Durch die Absenkungen werden pro Jahr rund 12 Millionen Franken an Fördergeldern frei, mit denen Photovoltaikanlagen gefördert werden können.

    Bessere Förderung des grossen Solarfassaden-Potenzials: Mit den freigewordenen Fördergeldern werden auch Fassadenanlagen besser gefördert. Im Winter kann mit solchen Anlagen bis zu 30% mehr Strom produziert werden als mit gleich grossen Anlagen auf Flachdächern. Fassadenanlagen werden heute aber erst selten realisiert. Das Fassaden-Potenzial in der Schweiz liegt bei rund 17 Terawattstunden pro Jahr. Das entspricht einem Viertel des gesamten Photovoltaik-Potenzials des Schweizer Gebäudeparks. Um dieses Potenzial zu erschliessen, sieht die EnFV für integrierte Anlagen mit einem Neigungswinkel von mindestens 75 Grad gegenüber dem Horizont einen Bonus von 250 Franken pro kW auf dem Leistungsbeitrag vor. Der Fachverband Swissolar begrüsst die Revision der neuen Energieförderungsverordnung, zu welcher der Verband sich auch per Vernehmlassung geäussert hat.

    Mehr Informationen beim Bundesamt für Energie

    Quelle: Swissolar